Protest gegen Kriminalisierung von Antifaschismus in Ungarn

Am Wochenende versammelten sich rund 60 Personen vor der ungarischen Botschaft in der Bankgasse in Wien, um gegen das Vorgehen der ungarischen Regierung gegenüber Antifaschist*innen zu protestieren. Die Kundgebung war Teil koordinierter Proteste, am Tag zuvor und am selben Tag fanden auch in mehreren deutschen Städten wie Berlin, Hamburg, Dresden und Frankfurt am Main Demonstrationen vor ungarischen Botschaften und Konsulaten statt.

Bei der Wiener Kundgebung hielten verschiedene Gruppen Redebeiträge, darunter der KSV Lili (Kommunistischer Studierendenverband), die Gruppe für organisierten Antifaschismus (gfoa) und das Bündnis NS Verherrlichung stoppen. Auch die gemeinsame Presseerklärung der Opferverbände (KZ-Verband, VVN-BdA, MEASZ und FIR) wurde verlesen.Seit 1997 versammeln sich jedes Jahr im Februar tausende Neonazis aus ganz Europa zum sogenannten „Tag der Ehre“ in Budapest. Diese Veranstaltung glorifiziert den gescheiterten Fluchtversuch von Wehrmacht, Waffen-SS und ungarischen Kampfverbänden aus einem Kessel der Roten Armee um Budapest im Jahr 1945. Den international angereisten militanten Rechten wird dort ein Programm aus Demonstrationen, RechtsRock, NS-Folklore und Leistungssport geboten.

In den letzten Jahren ist der Widerstand gegen dieses Neonazi-Großevent gewachsen. Lokale Antifaschist:innen, studentische Aktivist:innen, Rom:nja, LGBTIQ-Personen und zivilgesellschaftliche Akteur:innen organisieren sichtbare Gegenproteste. Dieses Jahr verbot die ungarische Polizei jedoch jeglichen antifaschistischen Protest. Die Neonaziaktivitäten, bei denen historische SS-Uniformen mit Hakenkreuzen und andere faschistische Symbole zu sehen sind, wurden dagegen ausdrücklich genehmigt. Gegen diese staatliche Repression richtete sich der Protest vor der Botschaft.

Trotz der Verbote fand zeitgleich in Budapest eine kleine Pressekonferenz statt, bei der neben Vertreter*innen des KZ-Verbands Wien und anderer Opferverbände auch der Vater von Maja T. sprach. Die Teilnehmenden der Wiener Kundgebung setzten damit ein klares Zeichen gegen die Kriminalisierung von Antifaschismus.

Februarkundgebung des Wiener KZ-Verbands in Floridsdorf

Mitglieder des Wiener KZ-Verbands legten zum Gedenken an die Februarkämpfe 1934 am Denkmal für den vom Dollfuß-Regime hingerichteten Floridsdorfer Schutzbund-Führer und Feuerwehrkommandanten Georg Weissel einen Kranz nieder. Anschließend zogen sie durch die Weisselgasse, vorbei an der Hauptfeuerwache Floridsdorf, zur Gedenktafel beim Floridsdorfer Markt, die an die Opfer der Kämpfe um den Schlingerhof erinnert, um dort ebenfalls einen Kranz anzubringen. Interessierte PassantInnen dankten für die Aktion und beteiligten sich am Gedenken.

Aus Wien Geschichte Wiki: Am 13. Februar 1934 fiel Weissel die Aufgabe zu, das Floridsdorfer Polizeikommissariat auszuschalten, wobei er von bewaffneten Straßenbahnern und einer im Schlingerhof stationierten Schutzbundabteilung unterstützt werden sollte. Obwohl nur eine verschwindende Minderheit der ihm unterstellten Feuerwehrleute ausharrte, lehnte er es entschieden ab, den Kampf abzubrechen; er wurde nach kurzer Zeit von Polizeieinheiten überwältigt, verhaftet und wegen Aufruhrs zum Tod durch den Strang verurteilt.

Gedenkfeier für Grete Jost am 10. Jänner 2026

Tafel für Grete Jost, Rabenhof, 1030 Wien Baumgasse 39
Margarete Jost, * 26. Mai 1916 Wien, † 15. Jänner 1943 Wien, Verkäuferin, Kommunistin, Widerstandskämpferin.

Trotz winterlicher Kälte versammelten sich am 10. Jänner 2026 rund 50 Menschen bei der Gedenktafel in der Baumgasse 39 im dritten Wiener Gemeindebezirk, um der kommunistischen Widerstandskämpferin Grete Jost zu gedenken. Die vom überparteilichen antifaschistischen Personenkomitee Landstraße veranstaltete Kundgebung unter dem Motto „Niemals vergessen! – Erinnern für die Zukunft“ war gut besucht und vereinte Generationen: Junge und alte Menschen standen gemeinsam am Ort des Gedenkens.

Der KZ-Verband Wien war mit einigen Mitgliedern vertreten. In vielseitigen Reden wurde an Grete Jost erinnert, die 1934 der bereits verbotenen KPÖ beigetreten war und sich aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime engagierte. Sie verteilte antifaschistische Schriften, warb neue Mitglieder, sammelte Beitragsgelder für verhaftete Genossinnen und Genossen und fungierte ab 1938 als wichtige Verbindungsperson zwischen Funktionär:innen in Wien und Parteigenoss:innen entlang der Südbahnstrecke. Am 8. Februar 1941 wurde Margarete Jost verhaftet und am 23. September 1942 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt. Am 15. Jänner 1943 wurde sie im Alter von nur 27 Jahren hingerichtet.

Im Anschluss an die Gedenkfeier bei der Tafel fand ein Ausklang im Bezirksmuseum Landstraße statt.