
Unser Kamerad Hugo Brainin ist gestorben. Brainin wurde in Wien am 19. Oktober 1924 geboren, wo er bis 1938 im Kreise seiner Familie lebte. Nach dem „Anschluss“ 1938 war er zur Flucht gezwungen, was ihm und manchen Familienmitgliedern gelangt. 1946 kehrte er nach Österreich zurück, war hier politisch höchst aktiv und seit vielen Jahrzehnten als Zeitzeuge, Aufklärer und Mahner aktiv. Seine häufigen Leserbriefe, in Tageszeitungen aber auch im Neuen Mahnruf, dokumentieren sein anhaltendes gesellschaftliches Engagement. Seine Frau, Lotte Brainin née Sontag (1920-2020), war ebenso Mitglied im Wiener Verband und in der Lagergemeinschaft Auschwitz.
Kamerad Dr. Friedl Garscha, Stv. Bundesvorsitzender, erinnert mit folgender Episode an seine klare Haltung und beständige Widerständigkeit:
Es war Hugo Brainin, der die politische Scheinheiligkeit bei der Vorbereitung der österreichischen Länderausstellung im Block 17 der Gedenkstätte Auschwitz öffentlich machte. Die Bundesregierung hatte 2009 den Nationalfonds mit der Neugestaltung dieser Ausstellung beauftragt. Der Nationalrat beschloss, dass ein „gesellschaftlicher Beirat“ die wissenschaftliche Arbeit begleiten sollte. Seite an Seite mit den politischen Parteien – für die Jörg-Haider-Partei „Bündnis Zukunft Österreich“ war das Haiders Schwester Ursula Haubner – sollten darin auch Vertreter*innen der Überlebenden sitzen. Die bereits schwerkranke Auschwitz-Überlebende Lotte Sontag-Brainin wäre durch ihren Mann Hugo Brainin vertreten worden. Kamerad Brainin lehnte entrüstet ab und fragte die Leitung des Nationalfonds, ob er sich etwa von einer Ursula Haubner erklären lassen solle, was Auschwitz bedeutete? Niemand von den wenigen Überlebenden stellte sich als „Feigenblatt“ zur Verfügung.
Zum 100. Geburtstag verlieh der Wiener KZ-Verband seinem Mitglied Hugo Brainin die Ehrenmitgliedschaft. 101-jährig ist er nun verstorben. Bei der Landeskonferenz des Wiener Verbands wurde ihm mit einer Trauerminute gedacht.

Hugo Brainin zusammen mit Friedl Garscha, der ihm die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft des Wiener KZ-Verbands überbrachte.




