Neuer Bundesvorstand des KZ-Verbands gewählt!

Die Bundesdelegiertensitzung am 3. August mit den bundesweiten Vertretern und Vertreterinnen des KZ-Verbands; Foto: Christopher Glanzl

Am Samstag, 3. Juli, wurde auf der Bundesdelegiertensitzung der neue vornehmlich weibliche Vorstand des Bundesverbandes österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA) gewählt. Besonders freut uns, dass der Wiener Landesverband seine VertreterInnen so zahlreich in den Vorstand entsenden durfte:

Ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes Harald Grün und Bundessekräter Mag. Mathias Scheibinger; Foto: Christopher Glanzl

Den ehemaligen Bundesvorsitzenden Harald Grün durfte unsere Landesvorsitzende

Dagmar Schnidler

ablösen. Mathias Scheibinger wurde als Bundessekräter durch unseren Landessekräter

Ernst Wolrab

ersetzt. Der Bundeskassier

Mag. Matthias Koderhold

wurde durch die Delegierten in seinem Amt bestätigt.

Die neue Bundesvorsitzende Dagmar Schindler und der Bundessekräter Ernst Wolrab; Foto: Christopher Glanzl

Des Weiteren wurden die stellvertretenden Vorsitzenden

Elisabeth Rausch (Kärnten)
Christine Steger (Salzburg)

gewählt.

Die neue stellvertretende Vorsitzende Christine Steger (Salzburg) und die Bundesvorsitzende Dagmar Schindler; Foto: Christopher Glanzl

Wir gratulieren allen gewählten Mitgliedern des Vorstands recht herzlich und wünschen ihnen eine erfolgreiche und produktive Legislaturperiode!

Von links nach rechts: Ernst Wolrab (Bundessekräter), Dagmar Schindler (Bundesvorsitzende), Christine Steger (Stv. Bundesvorsitzende für Salzburg), Siegfried Trenker (KZ-Verband/VdA Salzburg), Friedl Garscha (Bundesvorstandsmitglied als Vertreter der Arbeitsgruppe der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs), Albert Dlabaja (ehem. Voritzender des KZ-Verband NÖ), Mag. Matthias Koderhold (Bundeskassier); Foto: Christopher Glanzl

Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel die Deutsche Wehrmacht mit dreieinhalb Millionen Soldaten die Sowjetunion.


Anlässlich des Jahrestages eröffnete der deutsche Bundespräsident im deutsch-russischen Museum in Berlin-Karlshorst eine Ausstellung zum Thema „Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg“. Die Ausstellung dokumentiert das gigantische Mordprogramm der Deutschen Wehrmacht an den sowjetischen Kriegsgefangenen – sie ließ von den insgesamt 5 Millionen gefangen genommenen Soldaten der Roten Armee 3,3 Millionen verhungern, erfrieren oder an Krankheiten zugrunde gehen; 80.000 Sowjetsoldaten wurden erschossen. Dieser Krieg, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, „wirft einen langen Schatten, und in diesem Schatten stehen wir bis heute“.

Siehe: https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/frank-walter-steinmeier-im-deutsch-russischen-museum-karlshorst-li.166079


Mehr als eine Viertelmillion der Soldaten dieser Aggressionsarmee waren Österreicher. Hat jemand etwas von österreichischen PolitikerInnen gehört, die diesen Jahrestag in ähnlicher Weise gewürdigt hätten? An die aus Österreich stammenden Soldaten wird bei uns lieber aus Anlass der deutschen Niederlage bei Stalingrad Anfang 1943 erinnert, weil da die österreichischen Wehrmachtssoldaten einen besonders hohen Anteil an den ‚deutschen‘ Gefallenen und in Gefangenschaft Umgekommenen bildeten – klar: Österreicher als Opfer… 
Immerhin: Die „Presse“ veröffentliche einen Beitrag des aus Russland stammenden österreichischen Schriftstellers Vladimir Vertlib, der dafür plädierte, den Tag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion auch in Österreich zu einem Gedenktag zu machen. Nicht nur wegen des ungeheuren Blutzolls, den dieser Krieg forderte (die historische Forschung geht heute von 27 Millionen Toten auf sowjetischer Seite aus), sondern auch, weil der mit so großen Opfern errungene Sieg über Hitler „das größte Geschenk“ war, das „die Sowjetunion […] der Welt gemacht“ hatte. Ohne diese gewaltige militärische Kraftanstrengung „hätten die Nazi-Herrschaft über Europa und der Zweite Weltkrieg wohl erheblich länger gedauert“. („Ein Leben im Schatten des 22. Juni 1941“, Die Presse 18. Juni 2021)

Lese-Tipp: Ein Aufsatz von Friedl Garscha aus dem Jahre 1991 („Die Sowjetunion am 22. Juni 1941“):

https://kpoe.at/home/positionen/geschichte/1991/die-sowjetunion-am-22-juni-1941

100 Jahre Elfriede Hartmann (1921-1943)

Elfriede Hartmann war eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im illegalen kommunistischen Jugendwiderstand. Sie war eine Art „Relaisstelle“ in der Widerstandsgruppe „Soldatenrat“, sie bündelte Informationen und unterstützte die unter größter Gefahr im Untergrund wirkenden AktivistInnen auch moralisch.

Friedl Hartmann

Die „Gruppe Soldatenrat“ betrieb antimilitaristische Propaganda unter Wehrmachtssoldaten, was von der NS-Justiz als „Wehrkraftzersetzung“ blutig verfolgt wurde. Die führenden Köpfe der Gruppe waren Funktionäre des illegalen Kommunistischen Jugendverbands Österreichs wie

  • der Maschinenschlosser Franz Reingruber, dem es gelungen war, innerhalb einer Einheit der „Hitlerjugend“ zum Schulungsleiter aufzusteigen;
  • der als Sanitätsobergefreiter der Luftwaffe tätige Chemiker Walter Kämpf, der Sabotageakte gegen Wehrmachtseinrichtungen vorbereitet hatte; und
  • der Schriftsetzer Alfred Rabofsky, Sanitätsunteroffizier der Deutschen Wehrmacht.

Voraussetzung für die gezielte Verbreitung der als Briefe getarnten Flugschriften war die Kenntnis der so genannten „Feldpostnummern“ möglichst vieler Wehrmachtssoldaten. Beim Sammeln solcher Adressen wurde Friedl Hartmann unterstützt von ihrem in Norwegen als Besatzungssoldat stationierten Freund Rudolf Mašl sowie vom Gefreiten Fritz Mastny (der am selben Tag wie sie – am 2. November 1943 – im Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts geköpft wurde).

Am 21. Mai wäre Friedl Hartmann 100 Jahre alt geworden.

Zu Friedl Hartmanns 70. Todestag errichtete der KZ-Verband Wien in der Nationalen Gedenkstätte Gruppe 40 für sie einen Gedenkstein. Friedl Hartmann liegt dort direkt neben dem mit ihr hingerichteten KJV-Funktionär Fritz Mastny begraben.

Grab von Friedl Hartmann und Fritz Mastny am Zentralfriedhof, Gruppe 40

In den Monaten ihrer Gestapo-Haft hatte Friedl Hartmann eine große Zahl illegaler Nachrichten („Kassiber“) an ihre Eltern geschmuggelt. Ihr Hauptanliegen war, wenn sie selbst schon sterben müsse, wenigstens das Leben ihres Freundes Rudi Mašl zu retten. Dennoch wurde Mašl schon zwei Monate vor ihr geköpft.


Aus Anlass des 100. Geburtstags von Sophie Scholl, Mitglied der Münchner christlichen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, brachte der ORF nicht nur mehrere Filme, sondern erinnerte auch an die große Zahl ihrer „Schwestern im Geiste“. Da es sich bei vielen von ihnen um Kommunistinnen handelte, passte das allerdings nicht ins Hauptabendprogramm, sondern musste auf der Wissenschaftsseite der ORF-Website Platz finden. Und eine Persönlichkeit wie Friedl Hartmann hatte nicht einmal dort Platz. Deshalb soll hier an sie erinnert werden.

1943/44 richteten die Nazis 22 Mitglieder der „Gruppe Soldatenrat“ hin, unter ihnen sechs Frauen. Die jüngste war Anni Gräf, die mit 17 ½ Jahren verhaftet und, noch nicht 19jährig, geköpft wurde. Ebenso hingerichtet wurden:

Leopoldine Sicka (19 Jahre),

Oskar Klekner (20 Jahre),

Karl Mann (20 Jahre),

Anton Mayer (20 Jahre),

Bruno Morawitz (20 Jahre),

Elfriede Hartmann (22 Jahre),

Friedrich Mastny (22 Jahre),

Franz Reingruber (22 Jahre),

Franz Sikuta (22 Jahre),

Ernestine Diwisch (23 Jahre),

Alfred Fenz (23 Jahre),

Rosa Hofmann (23 Jahre),

Walter Kämpf (23 Jahre),

Rudolf Mašl (23 Jahre),

Friedrich Muzyka (23 Jahre),

Johann Neubauer (23 Jahre),

Leopoldine Kovarik (24 Jahre),

Felix Imre (25 Jahre),

Alfred Rabofsky (25 Jahre),

Rudolf Klekner (30 Jahre),

Anna Wala (53 Jahre).


Lese-Tipp: Johanna Mertinz/Winfried Garscha (2013): Mut, Mut – noch lebe ich. Die Kassiber der Elfriede Hartmann aus der Gestapo-Haft, Mandelbaum Verlag

https://www.mandelbaum.at/buecher/johanna-mertinz-winfried-garscha-hg/mut-mut-noch-lebe-ich/