100 Jahre Elfriede Hartmann (1921-1943)

Elfriede Hartmann war eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im illegalen kommunistischen Jugendwiderstand. Sie war eine Art „Relaisstelle“ in der Widerstandsgruppe „Soldatenrat“, sie bündelte Informationen und unterstützte die unter größter Gefahr im Untergrund wirkenden AktivistInnen auch moralisch.

Friedl Hartmann

Die „Gruppe Soldatenrat“ betrieb antimilitaristische Propaganda unter Wehrmachtssoldaten, was von der NS-Justiz als „Wehrkraftzersetzung“ blutig verfolgt wurde. Ihre führenden Köpfe waren Funktionäre des illegalen Kommunistischen Jugendverbands Österreichs wie

  • der Maschinenschlosser Franz Reingruber, dem es gelungen war, innerhalb einer Einheit der „Hitlerjugend“ zum Schulungsleiter aufzusteigen,
  • der als Sanitätsobergefreiter der Luftwaffe tätige Chemiker Walter Kämpf, der Sabotageakte gegen Wehrmachtseinrichtungen vorbereitet hatte, und
  • der Schriftsetzer Alfred Rabofsky, Sanitätsunteroffizier der Deutschen Wehrmacht.

Voraussetzung für die gezielte Verbreitung der als Briefe getarnten Flugschriften war die Kenntnis der so genannten „Feldpostnummern“ möglichst vieler Wehrmachtssoldaten. Beim Sammeln solcher Adressen wurde Friedl Hartmann von ihrem in Norwegen als Besatzungssoldat stationierten Freund Rudolf Mašl sowie vom Gefreiten Fritz Mastny (der am selben Tag wie sie – am 2. November 1943 – im Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts geköpft wurde).

Am 21. Mai wäre Friedl Hartmann 100 Jahre alt geworden.

Zu Friedl Hartmanns 70. Todestag errichtete der KZ-Verband Wien in der Nationalen Gedenkstätte Gruppe 40 für sie einen Gedenkstein. Friedl Hartmann liegt dort direkt neben dem mit ihr hingerichteten KJV-Funktionär Fritz Mastny begraben.

Grab von Friedl Hartmann und Fritz Mastny am Zentralfriedhof, Gruppe 40

In den Monaten ihrer Gestapo-Haft hatte Friedl Hartmann eine große Zahl illegaler Nachrichten („Kassiber“) an ihre Eltern geschmuggelt. Ihr Hauptanliegen war, wenn sie selbst schon sterben müsse, wenigstens das Leben ihres Freundes Rudi Mašl zu retten. Dennoch wurde Mašl schon zwei Monate vor ihr geköpft.


Aus Anlass des 100. Geburtstags von Sophie Scholl, Mitglied der Münchner christlichen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, brachte der ORF nicht nur mehrere Filme, sondern erinnerte auch an die große Zahl ihrer „Schwestern im Geiste“. Da es sich bei vielen von ihnen um Kommunistinnen handelte, passte das allerdings nicht ins Hauptabendprogramm, sondern musste auf der Wissenschaftsseite der ORF-Web-Site Platz finden. Und eine Persönlichkeit wie Friedl Hartmann hatte nicht einmal dort Platz. Deshalb soll hier an sie erinnert werden.

1943/44 richteten die Nazis 22 Mitglieder der „Gruppe Soldatenrat“ hin, unter ihnen sechs Frauen. Die jüngste war Anni Gräf, die mit 17 ½ Jahren verhaftet und, noch nicht 19jährig, geköpft wurde. Ebenso hingerichtet wurden:

Leopoldine Sicka (19 Jahre),

Oskar Klekner (20 Jahre),

Karl Mann (20 Jahre),

Anton Mayer (20 Jahre),

Bruno Morawitz (20 Jahre),

Elfriede Hartmann (22 Jahre),

Friedrich Mastny (22 Jahre),

Franz Reingruber (22 Jahre),

Franz Sikuta (22 Jahre),

Ernestine Diwisch (23 Jahre),

Alfred Fenz (23 Jahre),

Rosa Hofmann (23 Jahre),

Walter Kämpf (23 Jahre),

Rudolf Mašl (23 Jahre),

Friedrich Muzyka (23 Jahre),

Johann Neubauer (23 Jahre),

Leopoldine Kovarik (24 Jahre),

Felix Imre (25 Jahre),

Alfred Rabofsky (25 Jahre),

Rudolf Klekner (30 Jahre),

Anna Wala (53 Jahre).


Lese-Tipp: Johanna Mertinz/Winfried Garscha (2013): Mut, Mut – noch lebe ich. Die Kassiber der Elfriede Hartmann aus der Gestapo-Haft, Mandelbaum Verlag

https://www.mandelbaum.at/buecher/johanna-mertinz-winfried-garscha-hg/mut-mut-noch-lebe-ich/