Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des „Anschlusses“ 1938 – Wien, 13. März 2026

Am 13. März 2026 fanden in Wien die jährlichen Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des „Anschlusses“ 1938 statt – organisiert von der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände und Widerstandskämpfer:innen gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und ERINNERN:AT. An vier Orten in der Stadt erinnerten Opferverbände, Schulklassen, Vertreter:innen aus Politik und Wissenschaft an die Opfer des Nationalsozialismus.

Floridsdorf: Gedenken an die Widerstandskämpfer vom 8. April 1945

Um 9 Uhr versammelten sich rund 40 bis 45 Personen am Spitz (Amtshaus) in Floridsdorf, darunter die Initiatorin des dortigen Denkmals, eine ehemalige ÖVP-Bezirksrätin. Stephan Roth vom DÖW sprach über das Kriegsende in Wien und die Hinrichtung von Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke am 8. April 1945. Schüler:innen des GRG 21, Schulschiff Bertha von Suttner, trugen Texte von Zeitzeug:innen der Ereignisse rund um den „Anschluss“ 1938 vor. Anschließend fand eine Kranzniederlegung beim Denkmal für die drei Widerstandskämpfer statt.

Landesgericht für Strafsachen: Gedenken im Hinrichtungsraum

Um 10:30 Uhr kamen 20 Personen aus den Opferverbänden im Hinrichtungsraum des Landesgerichts für Strafsachen zusammen. LG-Präsident Fritz Forsthuber begrüßte die Anwesenden. Für die ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten sprach Gaby Wagner. Ursula Schwarz vom DÖW las aus den Abschiedsbriefen Hingerichteter an ihre Angehörigen – ein eindringliches Zeugnis der Verbrechen, die in diesem Raum begangen wurden.

Salztorgasse und Morzinplatz: Gedenken an die Opfer der Gestapo

Ab 12 Uhr fanden sich zwischen 50 und 60 Personen im Gedenkraum Salztorgasse 6 ein – für den kleinen Raum eine bemerkenswert starke Beteiligung. Begrüßt wurden die Anwesenden von Friedl Garscha für die Arbeitsgemeinschaft sowie von Claudia Kuretsidis-Haider als stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des DÖW und Antonia Winsauer von ERINNERN:AT. Auch das Bildungsministerium (Moritz Wein) und das Kulturministerium (Pia Schölnberger) waren vertreten.

Friedl Garscha sprach über die Rolle des DÖW bei der vor 15 Jahren erfolgten Neugestaltung der ursprünglich 1968 errichteten Gedenkstätte. Schüler:innen des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums Feldgasse lasen aus dem Buch Lass das gehen – Eine jüdische Familiengeschichte im Spiegel des 19. und 20. Jahrhunderts von Pascal Merl, dem Enkelsohn von Harry Merl. Ihren Vortrag widmeten sie Harry Merl. Auch Lehrlinge der Tourismus-Berufsschule Hütteldorfer Straße nahmen an der Veranstaltung teil.

Beim anschließenden Gedenken vor dem Denkmal auf dem Morzinplatz hielt Mathias Lichtenwagner, Landessekretär des Wiener KZ-Verbands, eine Rede, die bei den anwesenden Schüler:innen sichtlich großen Anklang fand. Nach der Kranzniederlegung durch Vertreter:innen der Opferverbände ehrten Schüler:innen die Opfer der Gestapo mit Nelken.

alle Fotos © Ulrike Garscha

Interviewpartner:innen für Dokumentarfilm „Die Kinder der Migranten“ gesucht

Für den dritten Teil seiner Dokumentarfilmreihe über die traumatischen Erlebnisse der „Kinder des 20. Jahrhunderts“ sucht der Dokumentarfilmer Fred Turnheim Interviewpartner:innen, die im vergangenen Jahrhundert als Flüchtlinge ihre Heimat aus rassistischen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen verlassen mussten. Turnheim hat in den vergangenen Jahren die Filme „Die Kinder der Kämpfer“ und „Die Kinder der Schweigenden“ produziert,

Folgende Flüchtlingsgruppen sind dabei für ihn besonders interessant:

  • Kinder und Kindeskinder, deren Vorfahren Österreich aus wirtschaftlichen Gründen zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlassen haben
  • Kinder und Kindeskinder, deren Vorfahren im Austrofaschismus und/oder Nationalsozialismus aus politischen und/oder rassistischen Gründen verfolgt oder vertrieben wurden
  • Kinder und Kindeskinder, deren Eltern nach dem 2. Weltkrieg in Österreich nicht sesshaft werden konnten und wieder emigrieren mussten
  • Kinder und Kindeskinder, deren Familien am Ende des 2. Weltkrieges vertrieben wurden
  • Kinder und Kindeskinder, die mit Ihren Eltern aus wirtschaftlichen, politischen oder rassistischen Gründen nach Österreich kamen.

Wenn Sie Interesse an einem Interview haben, so freut er sich auf ein Mail an redaktion@turnheim.net oder auf Ihren Anruf unter +43 660 3260207

Weitere Informationen:

www.kinder-der-kaempfer.at

www.kinder-der-schweigenden.at

www.doc-film.com

Gemeinsame Presseerklärung der drei antifaschistischen Verbänden aus Deutschland, Österreich und Ungarn gemeinsam mit dem Dachverband FIR zum Verbot antifaschistischer Proteste gegen den neofaschistischen Aufmarsch „Tag der Ehre“ am kommenden Wochenende in Budapest

Ungarn: Antifaschismus wird kriminalisiert – Geschichtsrevision genehmigt

Die Fédération Internationale des Resistants (FIR) – Association Antifasciste, die Dachorganisation von Partisanen, Veteranen des antifaschistischen Widerstands, Deportierter, Familienangehörigen und und heutiger Antifaschisten verurteilt gemeinsam mit dem Verband der ungarischen Widerstandskämpfer und Antifaschisten (MEASZ), der deutschen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), und dem österreichischen Bundesverband österreichischer Widerstandskämpfer und Antifaschisten, Opfer des Faschismus (KZ-Verband) den Umgang der ungarischen Regierung mit dem derzeit größten jährlichen Nazi-Aufmarsch zum „Tag der Ehre“ in Ungarn und das Urteil gegen Maja T.

Am 4. Februar wurde die beklagte Person Maja T. in einem politischen Schauprozess in Budapest zu acht Jahren Haft verurteilt, weil sie vorgeblich an einem „terroristischen“ Angriff auf ungarische Neonazis beteiligt war. Aus dem Beweismaterial um die körperliche Auseinandersetzung vor zwei Jahren ergab sich weder eine direkte Beteiligung der beklagten Person, noch die Behauptung der ungarischen Justiz, dass es sich bei den Akteuren um eine kriminelle Organisation handele. Daran ändert auch nichts die Erklärung der Orbán-Regierung – im Nachvollzug der Vorgaben von Donald Trump – im vergangenen Jahr „die Antifa“ zu einer „terroristischen Organisation“ zu erklären. Wir erinnern daran, dass die beklagte Person entgegen einem deutschen Gerichtsbeschluss rechtswidrig in einer „Nacht und Nebel“-Aktion der Staatsanwaltschaft an die ungarische Justiz ausgeliefert wurde. Seitens des ungarischen Justizministeriums wird auch nach dem Urteil noch Druck auf die verurteilte Person ausgeübt, die während des Verfahrens mit einem Hungerstreik gegen unmenschliche Haftbedingungen protestiert hatte. Man sei nur bereit, sie nach Deutschland zur Haftverbüßung zu überstellen, wenn sie auf eine Revision gegen das Gerichtsurteil verzichte.

Hintergrund des Verfahrens war eine handgreifliche Auseinandersetzung gegen den seit vielen Jahren in Budapest stattfindenden Aufmarsch internationaler neofaschistischer Gruppen zum „Tag der Ehre“, der eine Rehabilitierung von SS, Wehrmacht und ungarischer Kollaborateure bedeutet. Die FIR und ihre Mitgliedsverbände haben schon mehrfach gegen diese Form von Geschichtsrevisionismus protestiert und die ungarischen Behörden aufgefordert, solche Provokationen zu unterbinden. Auch in diesem Jahr sind wieder Veranstaltungen zum „Tag der Ehre“ in Budapest geplant. Während in den vergangenen Jahren die Stadtverwaltung versucht hat, durch Verbote bzw. Auflagen das neofaschistische Treffen zu unterbinden, hat diesmal die Polizei, die unter direkter Leitung der Orbán-Regierung steht, alle antifaschistischen Proteste gegen dieses Treffen untersagt. Das betrifft selbst eine Gedenkaktion mit der Auschwitz-Überlebenden Katalin Sommer, die am Mahnmal für die ermordeten jüdischen Menschen am Donau-Ufer sprechen sollte. Neonaziaktivitäten, bei denen Akteure in historischen SS-Uniformen mit Hakenkreuzen und anderen faschistischen Symbolen zu sehen sind, wurde seitens der Polizei ausdrücklich genehmigt.

Die antifaschistischen Verbände aus Deutschland, Österreich und Ungarn, die sich seit vielen Jahren gegen die Rehabilitierung der NS-Verbände engagieren, verurteilen diese Entscheidung der ungarischen Regierung und der ihr direkt unterstellten Sicherheitskräfte, die eine Umkehrung von Opfern und Tätern bedeutet, eine Kriminalisierung der Antifaschisten und einen Freibrief für Neonazis. Deshalb wird in Berlin, Wien und anderen Städten vor ungarischen Botschaften und Konsulaten gegen das Verbot der angemeldeten Protestaktionen in Budapest demonstriert. Vor vielen Jahren lautete die Losung der FIR „Nie wieder ein SS-Europa!“ – offenbar ist der Slogan aktueller als jemals befürchtet.

Erklärung FIR / MEASZ / KZ-Verband / VVN-BdA als PDF

Aus diesem Anlass sind in Deutschland und Österreich bisher folgende Protestaktionen geplant: 

  • Freitag, 13. Februar plant die VVN-BdA in Berlin um 17.00 eine Kundgebung vor der ungarischen Botschaft in Berlin.
  • Freitag, 13. Februar plant die VVN-BdA Sachsen in Dresden um 16.00 eine Kundgebung vor dem ungarischen Konsulat, ebenso die VVN-BdA in Frankfurt/M. .
  • Für Samstag, 14. Februar 13.00 plant der KZ-Verband Wien eine Protestaktion vor der dortigen ungarischen Botschaft.