Nachruf Hugo Brainin (1924-2026)

Hugo Brainin während der Eröffnung des Lotte Brainin Hofs, Seestadt Aspern, Mai 2025 – Foto: Fischer, fischerfoto.com

Unser Kamerad Hugo Brainin ist gestorben. Brainin wurde in Wien am 19. Oktober 1924 geboren, wo er bis 1938 im Kreise seiner Familie lebte. Nach dem „Anschluss“ 1938 war er zur Flucht gezwungen, was ihm und manchen Familienmitgliedern gelangt. 1946 kehrte er nach Österreich zurück, war hier politisch höchst aktiv und seit vielen Jahrzehnten als Zeitzeuge, Aufklärer und Mahner aktiv. Seine häufigen Leserbriefe, in Tageszeitungen aber auch im Neuen Mahnruf, dokumentieren sein anhaltendes gesellschaftliches Engagement. Seine Frau, Lotte Brainin née Sontag (1920-2020), war ebenso Mitglied im Wiener Verband und in der Lagergemeinschaft Auschwitz.

Kamerad Dr. Friedl Garscha, Stv. Bundesvorsitzender, erinnert mit folgender Episode an seine klare Haltung und beständige Widerständigkeit:

Es war Hugo Brainin, der die politische Scheinheiligkeit bei der Vorbereitung der österreichischen Länderausstellung im Block 17 der Gedenkstätte Auschwitz öffentlich machte. Die Bundesregierung hatte 2009 den Nationalfonds mit der Neugestaltung dieser Ausstellung beauftragt. Der Nationalrat beschloss, dass ein „gesellschaftlicher Beirat“ die wissenschaftliche Arbeit begleiten sollte. Seite an Seite mit den politischen Parteien – für die Jörg-Haider-Partei „Bündnis Zukunft Österreich“ war das Haiders Schwester Ursula Haubner – sollten darin auch Vertreter*innen der Überlebenden sitzen. Die bereits schwerkranke Auschwitz-Überlebende Lotte Sontag-Brainin wäre durch ihren Mann Hugo Brainin vertreten worden. Kamerad Brainin lehnte entrüstet ab und fragte die Leitung des Nationalfonds, ob er sich etwa von einer Ursula Haubner erklären lassen solle, was Auschwitz bedeutete? Niemand von den wenigen Überlebenden stellte sich als „Feigenblatt“ zur Verfügung.

Zum 100. Geburtstag verlieh der Wiener KZ-Verband seinem Mitglied Hugo Brainin die Ehrenmitgliedschaft. 101-jährig ist er nun verstorben. Bei der Landeskonferenz des Wiener Verbands wurde ihm mit einer Trauerminute gedacht.

Hugo Brainin zusammen mit Friedl Garscha, der ihm die Urkunde der Ehrenmitgliedschaft des Wiener KZ-Verbands überbrachte.

Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des „Anschlusses“ 1938 – Wien, 13. März 2026

Am 13. März 2026 fanden in Wien die jährlichen Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des „Anschlusses“ 1938 statt – organisiert von der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände und Widerstandskämpfer:innen gemeinsam mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und ERINNERN:AT. An vier Orten in der Stadt erinnerten Opferverbände, Schulklassen, Vertreter:innen aus Politik und Wissenschaft an die Opfer des Nationalsozialismus.

Floridsdorf: Gedenken an die Widerstandskämpfer vom 8. April 1945

Um 9 Uhr versammelten sich rund 40 bis 45 Personen am Spitz (Amtshaus) in Floridsdorf, darunter die Initiatorin des dortigen Denkmals, eine ehemalige ÖVP-Bezirksrätin. Stephan Roth vom DÖW sprach über das Kriegsende in Wien und die Hinrichtung von Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke am 8. April 1945. Schüler:innen des GRG 21, Schulschiff Bertha von Suttner, trugen Texte von Zeitzeug:innen der Ereignisse rund um den „Anschluss“ 1938 vor. Anschließend fand eine Kranzniederlegung beim Denkmal für die drei Widerstandskämpfer statt.

Landesgericht für Strafsachen: Gedenken im Hinrichtungsraum

Um 10:30 Uhr kamen 20 Personen aus den Opferverbänden im Hinrichtungsraum des Landesgerichts für Strafsachen zusammen. LG-Präsident Fritz Forsthuber begrüßte die Anwesenden. Für die ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten sprach Gaby Wagner. Ursula Schwarz vom DÖW las aus den Abschiedsbriefen Hingerichteter an ihre Angehörigen – ein eindringliches Zeugnis der Verbrechen, die in diesem Raum begangen wurden.

Salztorgasse und Morzinplatz: Gedenken an die Opfer der Gestapo

Ab 12 Uhr fanden sich zwischen 50 und 60 Personen im Gedenkraum Salztorgasse 6 ein – für den kleinen Raum eine bemerkenswert starke Beteiligung. Begrüßt wurden die Anwesenden von Friedl Garscha für die Arbeitsgemeinschaft sowie von Claudia Kuretsidis-Haider als stellvertretende wissenschaftliche Leiterin des DÖW und Antonia Winsauer von ERINNERN:AT. Auch das Bildungsministerium (Moritz Wein) und das Kulturministerium (Pia Schölnberger) waren vertreten.

Friedl Garscha sprach über die Rolle des DÖW bei der vor 15 Jahren erfolgten Neugestaltung der ursprünglich 1968 errichteten Gedenkstätte. Schüler:innen des Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums Feldgasse lasen aus dem Buch Lass das gehen – Eine jüdische Familiengeschichte im Spiegel des 19. und 20. Jahrhunderts von Pascal Merl, dem Enkelsohn von Harry Merl. Ihren Vortrag widmeten sie Harry Merl. Auch Lehrlinge der Tourismus-Berufsschule Hütteldorfer Straße nahmen an der Veranstaltung teil.

Beim anschließenden Gedenken vor dem Denkmal auf dem Morzinplatz hielt Mathias Lichtenwagner, Landessekretär des Wiener KZ-Verbands, eine Rede, die bei den anwesenden Schüler:innen sichtlich großen Anklang fand. Nach der Kranzniederlegung durch Vertreter:innen der Opferverbände ehrten Schüler:innen die Opfer der Gestapo mit Nelken.

alle Fotos © Ulrike Garscha

Interviewpartner:innen für Dokumentarfilm „Die Kinder der Migranten“ gesucht

Für den dritten Teil seiner Dokumentarfilmreihe über die traumatischen Erlebnisse der „Kinder des 20. Jahrhunderts“ sucht der Dokumentarfilmer Fred Turnheim Interviewpartner:innen, die im vergangenen Jahrhundert als Flüchtlinge ihre Heimat aus rassistischen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen verlassen mussten. Turnheim hat in den vergangenen Jahren die Filme „Die Kinder der Kämpfer“ und „Die Kinder der Schweigenden“ produziert,

Folgende Flüchtlingsgruppen sind dabei für ihn besonders interessant:

  • Kinder und Kindeskinder, deren Vorfahren Österreich aus wirtschaftlichen Gründen zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlassen haben
  • Kinder und Kindeskinder, deren Vorfahren im Austrofaschismus und/oder Nationalsozialismus aus politischen und/oder rassistischen Gründen verfolgt oder vertrieben wurden
  • Kinder und Kindeskinder, deren Eltern nach dem 2. Weltkrieg in Österreich nicht sesshaft werden konnten und wieder emigrieren mussten
  • Kinder und Kindeskinder, deren Familien am Ende des 2. Weltkrieges vertrieben wurden
  • Kinder und Kindeskinder, die mit Ihren Eltern aus wirtschaftlichen, politischen oder rassistischen Gründen nach Österreich kamen.

Wenn Sie Interesse an einem Interview haben, so freut er sich auf ein Mail an redaktion@turnheim.net oder auf Ihren Anruf unter +43 660 3260207

Weitere Informationen:

www.kinder-der-kaempfer.at

www.kinder-der-schweigenden.at

www.doc-film.com