Zum 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, überfiel die Deutsche Wehrmacht mit dreieinhalb Millionen Soldaten die Sowjetunion.


Anlässlich des Jahrestages eröffnete der deutsche Bundespräsident im deutsch-russischen Museum in Berlin-Karlshorst eine Ausstellung zum Thema „Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg“. Die Ausstellung dokumentiert das gigantische Mordprogramm der Deutschen Wehrmacht an den sowjetischen Kriegsgefangenen – sie ließ von den der insgesamt 5 Millionen gefangen genommenen Soldaten der Roten Armee 3,3 Millionen verhungern, erfrieren oder an Krankheiten zugrunde gehen; 80.000 Sowjetsoldaten wurden erschossen. Dieser Krieg, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, „wirft einen langen Schatten, und in diesem Schatten stehen wir bis heute“.

Siehe: https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/frank-walter-steinmeier-im-deutsch-russischen-museum-karlshorst-li.166079


Mehr als eine Viertelmillion der Soldaten dieser Aggressionsarmee waren Österreicher. Hat jemand etwas von österreichischen PolitikerInnen gehört, die diesen Jahrestag in ähnlicher Weise gewürdigt hätten? An die aus Österreich stammenden Soldaten wird bei uns lieber aus Anlass der deutschen Niederlage bei Stalingrad Anfang 1943 erinnert, weil da die österreichischen Wehrmachtssoldaten einen besonders hohen Anteil an den deutschen Gefallenen und in Gefangenschaft Umgekommenen bildeten – klar: Österreicher als Opfer… 
Immerhin: Die „Presse“ veröffentliche einen Beitrag des aus Russland stammenden österreichischen Schriftstellers Vladimir Vertlib, der dafür plädierte, den Tag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion auch in Österreich zu einem Gedenktag zu machen. Nicht nur wegen des ungeheuren Blutzolls, den dieser Krieg forderte (die historische Forschung geht heute von 27 Millionen Toten auf sowjetischer Seite aus), sondern auch, weil der mit so großen Opfern errungene Sieg über Hitler „das größte Geschenk“ war, das „die Sowjetunion […] der Welt gemacht“ hatte. Ohne diese gewaltige militärische Kraftanstrengung „hätten die Nazi-Herrschaft über Europa und der Zweite Weltkrieg wohl erheblich länger gedauert“. („Ein Leben im Schatten des 22. Juni 1941“, Die Presse 18. Juni 2021)

Lese-Tipp: Ein Aufsatz von Friedl Garscha aus dem Jahre 1991 („Die Sowjetunion am 22. Juni 1941“):

https://kpoe.at/home/positionen/geschichte/1991/die-sowjetunion-am-22-juni-1941