Tag der Befreiung / Dan osvoboditve – 8. Mai / maj 1945

Am 10. Mai 2025 beging der KZ-Verband Wien gemeinsam mit dem Klub slowenischer Student*innen in Wien/Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju (KSŠŠD), dem Verband der Kärntner Partisanen/Zveza Koroškhi Partizanov (ZKP) und vielen weiteren Antifaschist*innen die Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Die Gedenkfeier stand im Zeichen des Dankes und der Anerkennung des antifaschistischen Widerstands der jugoslawischen Partisan*innen.

Um 13:00 startete die festlich geschmückte Straßenbahn vom Schubertring Richtung Zentralfriedhof. Begleitet wurde sie von einem antifaschistischen Fahrradblock. Nach dem gemeinsamen Spaziergang über den Friedhof begann um 14:00 die Gedenkfeier beim Partisan*innendenkmal in der Gruppe 88 des Zentralfriedhofs. In dieser Gruppe sind mehr als 70 Jugoslaw*innen begraben, die als Kriegsgefangene in Wien umkamen. Das Denkmal ist all jenen jugoslawischen Partisan*innen gewidmet, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich ihr Leben verloren oder verschwanden. Partisanenverband, KSŠSD, KZ-Verband Wien, wie auch die aus Slowenien angereiste Aktivistin Sonja Lokar hielten Reden auf Deutsch und Slowenisch.

In seinen Grußworten ehrte der Vorsitzende des ZKP, Milan Wutte, besonders den Einsatz der slowenischen Befreiungsfront OF und ihren Widerstand gegen das NS-Regime. Er erinnerte ebenso an ihre Unterstützer*innen aus der slowenischen Bevölkerung in Kärnten/Koroška, die auf unterschiedlichste Arten zum erfolgreichen Widerstand beigetragen hatten. Er verwies auch darauf, dass in keiner der vielen staatlichen Befreiungs- und Gedenkfeiern, die in diesem Jahr abgehalten werden, der Mut der kärntner-slowenischen Partisan*innen und ihr Beitrag zur Befreiung Österreichs geehrt werden.

Vom KSŠŠD wurde betont, dass der Partisan*innenkampf tief mit der kärntner-slowenischen Identität verbunden ist. Ebenso zentral war in der kurzen Rede die besonders heftige Gewalt und Unterdrückung, der die slowenische Minderheit während der Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt war. Und es wurde herausgestrichen, dass diese Gewalt während dem NS zwar ihren Höhepunkt fand, dass sie aber nicht erst 1938 begann und sich bis heute durchzieht. Der österreichische Staatsvertrag, dessen Zustandekommen auch durch den widerständischen Beitrag der kärntner-slowenischen Partisan*innen ermöglicht wurde, sollte die Rechte und die Sicherheit der österreichischen Minderheiten garantieren. Der Klub machte deutlich, dass aus seiner Sicht das österreichische Bekenntnis zu Antifaschismus und Minderheitenschutz nicht mehr als ein leeres Versprechen ist. Gleichzeitig riefen die Redner*innen auf zu einer antifaschistischen und solidarischen Haltung.

Der KZ-Verband Wien verwies vor allem auf die militärische wie politische Wichtigkeit des Partisan*innenkampfes für Österreich. Und es wurde berichtet von der kurzen Phase der Würdigung der Partisan*innen durch die Republik, direkt nach der Befreiung Österreichs. Diese sollte wohl vor allem der Erfüllung der Moskauer Deklaration dienen und wurde bald durch das Narrativ der Opferthese verdrängt. Auch vom KZ-Verband wurde auf die vielfältige Missachtung des österreichischen Staatsvertrags hingewiesen, etwa auf die Vernachlässigung der Denkmalpflege, die sich besonders deutlich am Partisan*innendenkmal zeigt, an welchem die Veranstaltung stattfand. Wie in allen anderen Reden wurde aber vor allem auch die Freude betont, mit der der 8. Mai verbunden ist: Freude über das Ende von Haft, Folter, Kampf, Krieg, Vertreibung und Untergrund für so viele Menschen.

Sonja Lokar erzählte in ihrer Rede vom Partisan*innenwiderstand, und von der Wichtigkeit der Frauen im Widerstand. Außerdem unterstrich sie, dass Freiheit und Demokratie erkämpft und nicht zufällig gewonnen wurden und sie verwies auf Parallelen zwischen heutigen politischen und gesellschaftlichen Realitäten und jenen von vor über 80 Jahren. Auch sie ehrte den Partisan*innenkampf und schloss mit einem Smrt fašizm, svoboda vsem!

Zwischen den Redebeiträgen sang der Chor des KSŠSD Lieder aus dem antifaschistischen Widerstand.

Anschließend wurde feierlich mit Sekt angestoßen und um 16 Uhr die Rückreise angetreten. Die Fahrt mit der geschmückten Bim endete am Siebensternplatz, wo anschließend mit Getränken, Gulasch, Lesungen und Musik, sowie Infotischen weitergefeiert wurde. In der kleinen Ausstellung „Bilder der Befreiung“ waren Foto-Aufnahmen von bejubelten Partisan*innen zu sehen, die 1945 am Wiener Ring aufgenommen worden waren.

Zum Vorprogramm und zur inhaltlichen Einstimmung der heurigen Feiern zum 8. Mai wurden am Freitag, 9. Mai zu zwei Veranstaltungen und einer Diskussion in den Klub slowenischen Student*innen (KSŠŠD) geladen. Zuerst brachten Danijel Majić und Krsto Lazarević, die den Podcast ballaballa-balkan betreiben, unter dem Titel „Best of NOB – 80 Jahre Sieg der Tito-Partisanen über den Faschismus“ einen Input zum Widerstand in Jugoslawien. Danach wurde die „Karte des Widerstands“, die Elsa Logar und Jakob Holzer für den ZKP erarbeitet haben, vorgestellt. Die Karte zeigt über 100 Denkmäler und Erinnungszeichen in Kärnten/Koroška und lädt zum Erwandern und Besuchen ein. In einer abschließenden Diskussion wurden beiden Inputs – Widerstand in Jugoslawien, Erinnerung an den Widerstand in Kärnten/Koroška – zusammengeführt.

Wir danken allen für die Mitarbeit für beide Tage!

Die Veranstaltung wurde vom Nationalfonds und dem Zukunftsfonds gefördert.

Text: A.B.

Mitschnitte:

Sendung Balla Balla Balkan: Best of NOB

Mitschnitt Gedenkfeier beim Denkmal (cba.media, Radio Orange)

KZ-Verband Wien am 1. Mai 2025

Auch dieses Jahr hatte der Wiener KZ-Verband einen Infotisch zum 1. Mai am Ring auf der Höhe des Palais Epstein aufgestellt, unterstützt von den Kamerad:innen des nö. Verbands. Viele Freund:innen, Kamerad:innen besuchten uns, tranken mit uns Kaffee, holten sich den neuen Mahnruf, diskutierten mit uns.

Danke an alle Kamerad*innen die bei der Betreuung des Infotisches geholfen haben – Hoch der 1. Mai!

Befreiungsfeier Mauthausen 2025

Die diesjährige Befreiungsfeier in Mauthausen stand ganz im Zeichen des 80. Jahrestags der Lagerbefreiung – ein besonderes Jubiläum, das auch für uns im Landesverband Wien spürbar war.

Unser Bus war binnen kürzester Zeit ausgebucht, und insbesondere viele junge Genossinnen und Kameradinnen schlossen sich uns dieses Mal an. Bereits während der Anreise boten unsere Genossen Narodoslavsky und Garscha Einführungsvorträge zur Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen sowie zur Befreiung durch die Alliierten.

Bei der Ankunft an der Gedenkstätte wurde sofort deutlich, dass es sich um ein besonderes Gedenkjahr handelte – der Andrang war enorm. Gleichzeitig stellt sich dabei die Frage, warum Gedenken nicht auch an anderen Tagen und in weniger runden Jubiläumsjahren eine vergleichbare gesellschaftliche Relevanz erfährt. Gerade in Zeiten eines zunehmenden gesellschaftlichen Rechtsrucks ist die aktive, antifaschistische Erinnerungskultur umso wichtiger.

Zu Beginn begaben wir uns zum Karbyschew-Denkmal, um dem sowjetischen Artillerie-General Dmitri Michailowitsch Karbyschew zu gedenken, der 1945 im Lager ermordet wurde. Augenzeug*innenberichten zufolge wurde er bei eisiger Kälte mit kaltem Wasser übergossen, bis er erfror – eine grausame Foltermethode, die exemplarisch für das Leid steht, das unzählige Gefangene im Lager erdulden mussten. Sie wurden Opfer des menschenverachtenden nationalsozialistischen Terrors.

Gemeinsam mit unseren Kameradinnen der „Arbeitsgemeinschaft der NS-Opfer-Verbände und WiderstandskämpferInnen“ versammelten wir uns anschließend zum offiziellen Teil der Zeremonie. Es war erfreulich und ermutigend zu sehen, dass wir in diesem Jahr als großer, vielfältiger Block auftraten. Nach der Kranzniederlegung und dem offiziellen Gedenken blieb noch Zeit für Gespräche mit Delegationen anderer Organisationen sowie für den Austausch mit Freund*innen und Genoss*innen verschiedenster Initiativen und Institutionen.

Zum Ausklang fanden wir uns am frühen Nachmittag zu einem gemeinsamen Mittagessen ein, bei dem die Erlebnisse des Tages nachbesprochen und weiterführende Diskussionen geführt wurden. Anschließend setzten wir gestärkt unsere Rückfahrt fort.

N.D.