„Hätte in England 1938 das heutige österreichische Flüchtlingsrecht gegolten, hätte ich nicht überlebt!“

Der Landesverband Wien österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA Wien) drückt sein Entsetzen über die Abschiebung von pakistanischen Asylwerbern aus der von der katholischen Kirche zur Verfügung gestellten Unterkunft im Wiener Servitenkloster aus und protestiert gegen diesen weiteren Schritt zur faktischen Abschaffung des Asylrechts durch österreichische Gerichte und Behörden. „„Hätte in England 1938 das heutige österreichische Flüchtlingsrecht gegolten, hätte ich nicht überlebt!““ weiterlesen

Zum Tode verurteilt – nach sieben Monaten begnadigt: Edith Schober (18.8.1924 – 6.3.2013)

Erst jetzt wurde bekannt, dass die Widerstandskämpferin Edith SchobeSchober Edithr, geb. Gadawits, bereits Anfang März 2013 verstorben ist.

Edith Gadawits gehörte zu einer Gruppe Jugendlicher, die im Rahmen des Kommunistischen Jugendverbandes sich mit antifaschistischer Agitation unter Angehörigen der deutschen Wehrmacht befasste. Der von der Gestapo „Soldatenrat“ benannten Gruppe gehörten Dutzende Jugendliche an, die nicht nur in Wien, sondern auch in den Bundesländern aktiv war. Die Gruppe stellte eine Zeitung namens »Soldatenrat« her, von der nur zwei Nummern überliefert sind. Gleichzeitig produzierte sie auch Flugblätter, die sich an die Soldaten an der Ostfront wandten und in denen sie über den Charakter des Kriegs aufgeklärt und sie zur Flucht aus der Wehrmacht und zum Überlaufen zur Roten Armee aufgefordert wurden.

Zahlreiche dieser oft sehr jungen Burschen und Mädchen wurden intensiv von der Gestapo verfolgt, ausgeforscht, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Edith Gadawits war, wie viele dieser Jugendlichen, sehr naturverbunden und bei jeder Gelegenheit wandernd und bergsteigend unterwegs, und lernte auf einer dieser Kletterpartien am Peilstein den Pottensteiner Felix Imre kennen, der sich diesen Jugendlichen anschloss. Am 28.2.1942 wurde sie verhaftet, und hatten eineinhalb Jahre später, am 24.9.1943, vorm 5. Senat in Krems mit Imre ihre Hauptverhandlung, bei der beide zum Tode verurteilt wurden. Während Felix Imre kaum 40 Tage nach dem Urteil bereits am 2. November 1943 im Wiener Landesgericht geköpft wurde, saß Edith Gadawits sieben Monate in der Todeszelle, bevor sie am 6. Mai 1944 die Mitteilung bekam, dass sie zu 12 Jahren Zuchthaus begnadigt worden ist. Bis zur Befeiung war sie im Landesgericht (damals Landgericht) Krems inhaftiert.

15 Jahre nach ihrer Befreiung schrieb sie in einem Artikel (Ich war sieben Monate in der Todeszelle, in: »Tagebuch«, November 1962, S. 7) über diese Zeit und über die Frauen, die mit ihr auf die Hinrichtung warteten. Eindrucksvoll schildert sie darin die psychischen Belastungen, denen die Frauen ausgesetzt waren, und die sie bis zuletzt nicht mehr losgelassen haben. In den letzten Jahren erzählte sie in einigen Veranstaltungen jungen Menschen über diese Zeit und über ihre MitkämpferInnen, die nicht das Glück wie sie hatten, begnadigt zu werden. Und es ist nicht schwer zu verstehen, dass genau diese Problematik ihr immer gegenwärtig war. Am Schluss des besagten Artikels schrieb sie über ihre Gefühle, als sich die Türe der Todeszelle öffnete und ihr Name gerufen wurde:

„Zwei Monate später, am 6. Mai 1944, wurde ich gerufen. Obwohl das Mittagessen und die kritische Zeit des Tages bereits vorbei war, verließ ich, äußerlich zwar ruhig, doch mit zitternden Knien, die Geborgenheit der Todeszelle. Misstrauisch sah ich hinter die Tür, ob dort der Kommandant des Gefängnisses, der die Häftlinge zur Hinrichtung persönlich holte, stand. Der Weg führte jedoch ins Dienstzimmer, wo ein höherer Justizbeamter mich zunächst um Namen, Verurteilung wann und wo usw. ausfragte. Danach teilte er mir mit, dass das Todesurteil aufgehoben und ich zu zwölf Jahren Zuchthaus begnadigt worden sei.

War ich vor zwei Minuten noch sicher, dass mir keine Angst anzumerken sei, und wusste ich vor zwei Minuten selbst nicht genau, ob ich überhaupt noch eines menschlichen Gefühles fähig wäre – all das änderte sich mit einem Schlag. Ein völliger Zusammenbruch löste die Spannung. Es dauerte lange, bis ich – den Menschen gegenüber – mein seelisches Gleichgewicht wieder gefunden hatte. Als ich nach einem weiteren Jahr aus dem Gefängnistor trat, hatte sich die Welt verändert. Nicht verändert hatte sich das Ziel, für das zu leben sich lohnt.“

 (Die komplette Wiedergabe dieses Artikels von Edith Schober findet sich in der 3. Auflage von „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“; kann über den KZ-Verband Wien bezogen werden).

Nach dem Krieg heiratete sie den Spanienkämpfer Rupert Schober (1912-1994). Getreu ihrer Überzeugung, dass es sich lohnt, die Welt zu verändern, hat sie in Veranstaltungen jungen Menschen über den illegalen, antifaschistischen Kampf erzählt. Sie nahm zuletzt an der Enthüllung des Denkmals für die hingerichtete Schwester Restituta (Helene Kafka), das Alfred Hrdlicka für die Barbarakapelle im Wiener Stephansdom schuf, oder bei der Buchpräsentation von „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“ im Wiener Landesgericht teil.

!No pasarán! bleibt aktuell

Spanisches Gericht ordnet Schleifung eines Denkmals für die Internationalen Brigaden auf dem Gelände der Madrider Universität an. Weltweit regt sich Protest

Von Carmela Negrete und Peter Rau

Spanien Tafel Uni  6_2013

Gerade einmal einen halben Quadratmeter besetzt das Denkmal für die Internationalen Brigaden im Garten der Universidad Complutense in Madrid (UCM), genau dort, wo einst, im November 1936, Freiwillige aus vielen Ländern die spanische Republik gegen die anrückenden Truppen Francos verteidigten. Nach dem Urteil eines Verwaltungsgerichts der spanischen Hauptstadt wurde die Aufstellung des Mahnmals für »illegal« erklärt, da keine »Baugenehmigung« vorliegen würde. Demnach soll die Universität das Denkmal nun innerhalb von zwei Monaten abreißen lassen.

Anders als von den hinter diesen Angriffen stehenden Rechtskräften behauptet, entstand diese Erinnerungsstätte nicht aus Mitteln der Universität, sondern wurde aus Spenden von in aller Welt tätigen Freunden der Interbrigaden finanziert. Die schlichte Stele trägt den Ausspruch von Dolores Ibarruri, der legendären »Pasionara«, die als Repräsentantin der Kommunistischen Partei des Landes und Präsidentin der Cortes namens der spanischen Volksfront zum Abschied der Brigaden im Oktober 1938 ausrief: »Ihr seid die Geschichte, ihr seid die Legende, ihr seid das heroische Beispiel der Solidarität und der Universalität der Demokratie«.

Der spanischen Rechten, die bis heute Franco und der faschistischen Diktatur treu ergeben ist, war diese Stätte der Erinnerung seit ihrer Einweihung im Oktober 2011 ein Ärgernis. Folglich wurde Strafanzeige gestellt. »Was aber entscheidend ist, daß die Gerichte, anstatt nach einer juristischen Lösung für den Erhalt des Mahnmals zu suchen, die Klage zugelassen haben«, hieß es dazu bei der »Asociación de amigos de las Brigadas Internacionales« (AABI), der spanischen Vereinigung der Freunde der Internationalen Brigaden. Ihr ist es zu verdanken daß das Denkmal mit Zustimmung der Universitätsleitung aufgestellt worden war. »Auf dem Campus gibt es mehrere Denkmäler, die ohne Baugenehmigung errichtet wurden. Niemand hat bisher gegen diese Praxis geklagt.« Die AABI hat vom zuständigen Amt inzwischen mehrmals eine Baugenehmigung eingefordert, ohne jemals eine Reaktion zu erhalten.

Am 15. Juni dieses Jahres demonstrierten Freunde des Mahnmals gegen dessen Schleifung. An der Kundgebung nahmen neben Mitgliedern der AABI auch Vertreter der Universität, darunter der Rektor, teil. Araceli Manjon Cabeza, Generalsekretärin der Universität, sagte gegenüber jW, daß andere Denkmäler sowie Gebäude wie Hotelanlagen heute noch stünden, obwohl sie ohne Baugenehmigung errichtet wurden. UCM-Rektor José Carrillo kündigte dabei an, das Denkmal zu verteidigen: »Wir werden weiter die juristische Auseinandersetzung suchen, und ja, ich denke, daß wir am Ende gewinnen werden.«

Im Januar 2013 erinnerte der Vorsitzende des deutschen Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939« (KFSR), Harald Wittstock, in einer Protesterklärung an die zuständigen Behörden in Madrid daran, daß »in vielen Ländern … die Aufstellung und Pflege von Denkmälern zur Erinnerung an den opferreichen Kampf des spanischen Volkes und ihrer antifaschistischen Mitstreiter aus 53 Ländern der Erde eine Normalität« sei. »Ein Vorgehen gegen das Denkmal wäre ein fatales Zeichen gegen die Demokratie und die Aufarbeitung der Geschichte.« Namens des KFSR wurde von den Verantwortlichen in Spanien gefordert, »alles dafür zu tun, daß dem Ansehen der Kämpfer, die für die Verteidigung Madrids ihr Leben einsetzten und auch verloren, durch ein Vorgehen gegen das Denkmal auf dem Gelände der Madrider Universität kein Schaden entsteht«.

Wittstock, der gemeinsam mit ehemaligen Interbrigadisten und anderen KFSR-Mitgliedern am 22. Oktober 2011 an der Einweihung des Denkmals teilgenommen hatte, hat sich mittlerweile auch an den Botschafter des Königreiches Spanien in der Bundesrepublik, Pablo Garcia-Berdoy, gewandt. In seinem Schreiben vom 7. Juni bekräftigt er die auch international vielfach artikulierte Hoffnung, »daß die Entscheidung zum Abriß des Denkmals nicht umgesetzt wird und das Andenken an die Kämpfer für Demokratie und Frieden und gegen den europäischen Faschismus so auch in Madrid erhalten bleibt«.

Inzwischen haben sich den Protesten neben dem KFSR auch die Veteranenorganisationen aus Großbritannien, den USA, Frankreich, Rußland und anderen Ländern angeschlossen. Für den britischen »International Brigade Memorial Trust« unterzeichneten zum Beispiel deren Generalsekretär Jim Jump, der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone und der bekannte Historiker Paul Preston ein entsprechendes Schreiben. Weltweit signierten bereits mehr als 13000 Menschen eine diesbezügliche Petition der AABI. Die Losung der Brigadisten von einst gilt auch heute: »No pasarán« – sie kommen nicht durch!

Petition unter: bit.ly/brigadas

Aus: junge welt, 26.6.2013