Treffpunkt: 1210 Wien, Prager Straße 18 (Weisseldenkmal)
Im Gedenken an die Kämpferinnen und Kämpfer des Februars 1934 trafen wir uns traditionell am 12. Februar 2023 um 12.00 am Weisseldenkmal in der Prager Straße, von dort sind wir weiter zum Schlingerhof gegangen. Anschließend schlossen sich manche der Demonstration der KPÖ Brigittenau am Maria Restituta Platz an.
Das andere Bild zeigt die Mitgliedskarte des Opfers Erich Dlabaja mit Verwendungsfreigabe von Brigitte Oftner und Albert Dlabaja.
Ein etwas persönlicher Spendenaufruf. Von Birigit Hebein, Projektleiterin des Archivs
2023. Irgendwer erklärt gerade, wie Wien nicht zu sein hätte und wer hier (nicht) leben soll. Sie sprechen Menschen ab, Teil unserer Gesellschaft zu sein. Und wir wissen, diese Waldhäusls sind austauschbar.
Ich nehme die nächsten Papiere aus der nächsten Schachtel und lese über eine Bitte um Unterstützung, von Frau L., vom Beruf Hausfrau, es geht um die Begräbniskosten ihres verstorbenen Mannes. Frau L. hat mit 1945 das KZ-Lackenbach überlebt. Damals war sie 17 Jahre alt.
Und in den nächsten Papieren erzählt ein kommunistischer Widerstandskämpfer 1994 über sein Leben. Es geht um die Einreichung für ein Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs durch den KZ-Verband: „… Nur dadurch, dass Genossin B. F. nicht verriet, dass die Schreibmaschine, auf der die Zeitung ‚Die Wahrheit‘ geschrieben wurde, von mir war, wurde ich nicht verhaftet….“ Diese Dokumente muss ich zur Seite legen und dem Sohn von Frau B. F. zeigen. Er wusste – wie sich später herausstellte – von der Geschichte, erzählt von seiner Mutter.
„Ihrem Antrag, Ihnen die Zeit von …1944 bis …1944 als Haftzeit anzuerkennen, kann nicht stattgegeben werden, da Sie hiefür keine Nachweise erbracht haben…“ steht auf dem Bescheid 1953 für Frau D., dessen Mann damals nach der angegebenen Haftzeit hingerichtet wurde. Es sollte Jahre dauern, bis sie mit Unterstützung des KZ-Verbandes zu ihren Ansprüchen aus der Opferfürsorge kam.
Birgit Hebein, Leiterin des Projekts bei der Arbeit.
Vor mir am Schreibtisch liegt ein 13 x 10 cm großer Papierschnitzel von einem Jüdischen Gebet, lose. Er hatte sich aus dem dafür vorgesehenen Rahmen aus Tixo gelöst, daneben ein kurzer Text: „…von einem KZ-Häftling übergeben, solches Papier wurde im KZ als WC Papier vorbereitet…“ Kein Datum.
Das sind Auszügen aus Lebensgeschichten. Ein Hauch davon.
Mehr als 1.500 Mitglieder-Karteikarten sowie mehr als 1000 meist handschriftlich von den Opfern persönlich ausgefüllte Fragebögen befinden sich unter den Materialien, die in unserem KZ-Verband lagern. Hier wurde u.a. der Haftgrund, die Aufenthalte in Konzentrationslagern und Zwangsarbeitslagern mit detaillierter Haftzeit sowie die Verfolgungsgeschichte aufgeschrieben und manchmal mit persönlichen Notizen und Briefen hinterlegt. Und hinter jeder Zahl, jedem Brief, befinden sich Schicksale, die sich im Verborgenen in Schachteln stapeln. Ihre Geschichten wollen wir erzählen.
Es begann mit einer Entrümpelung im KZ-Verband im Sommer 2021 in Vorbereitung auf die Sanierung unseres Büros. Im Wissen, dass Tausende historische Unterlagen des Verbandes in den 60er Jahren den Aufbau des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes ermöglichten, wurde – bis auf wenige Ausnahmen – die Entsorgung der Schachteln vorbereitet. Und am Wochenende darauf begann ich zu lesen und seither höre ich nicht damit auf. Der Archivaufbau war geboren und inzwischen leite ich das faszinierende, spannende Projekt „75 Jahre KZ-Verband/VdA – Archiv gegen das Vergessen“.
Dr. Winfried R. Garscha ist der historische Begleiter des Projektes, einer von dem ich viel lernen darf. Bis Oktober 2023 wollen wir das Archivgut mit einem engagierten, ehrenamtlichen Team sortieren, erfassen und zugänglich machen. Denn der KZ-Verband feiert 2023 sein 75-jähriges Bestehen in der bestehenden Form und nimmt dies zum Anlass, um die eigene Geschichte aufzuarbeiten.
Durch Förderungen können wir einen Teil der Personalkosten decken, wir müssen aber einen – für uns beträchtlichen – Teil selbst aufstellen. Für die fachgerechte Konservierung der historischen Funde ist es der wichtige Teil, den wir mit euren Spenden aufbringen möchten. Für die Anschaffung von Scanner, Regalen, Aufbereitung, Archivsoftware und Archivierung brauchen wir 20.000 EUR, die wir nun versuchen, über Crowdfunding zu sammeln, damit wir das „Archiv gegen das Vergessen“ umsetzen können. Helft uns bitte dabei. Details zum Projekt, siehe https://www.respekt.net/projekte…/details/projekt/2525/
Erzählen wir diese vielfältigen Leben des politischen Widerstandes. Sie stärken uns im Auftrag, niemals zu vergessen, nie wieder zuzulassen, Menschen abzusprechen, Mensch zu sein. In Wien. Und überall.
Vielen Dank.
Das eine Bild zeigt die Mitgliedskarte des Opfers Friederike Burda mit Verwendungsfreigabe von Rudi Burda.
Wir trauern um Josef Baldrman (Baldermann), Sohn des Widerstandskämpfers Josef Baldermann der gerade wenige Wochen alt war, als sein Vater von der Gestapo verhaftet wurde und letztendlich 1943 hingerichtet wurde. Laut Anklage soll er gemeinsam mit Karl Wyt der Bezirksleitung Wien-Brigittenau der KPÖ angehört haben, die damals österreichweit verboten war. Er wurde am 16. Juni 1942 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 2. März 1943 in Berlin-Plötzensee enthauptet. Mit ihm wurden sechs weitere Arbeiter wegen angeblichen Hochverrates hingerichtet.
2013 wurde der Gemeindebau Pasettistrasse 9–21, in Wien-Brigittenau nach Josef Anton Baldermann benannt.
Zeitlebens setzte sich Josef Baldermann jr. für die Erinnerung an seinen Vater ein und wird uns damit Vorbild bleiben. Sein Einsatz gegen das Vergessen, wird unser Auftrag bleiben.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Tochter, seiner Familie und seinen Freunden. Wir werden ihn in würdiger Erinnerung behalten.