Gedenkfeier für Grete Jost am 10. Jänner 2026

Tafel für Grete Jost, Rabenhof, 1030 Wien Baumgasse 39
Margarete Jost, * 26. Mai 1916 Wien, † 15. Jänner 1943 Wien, Verkäuferin, Kommunistin, Widerstandskämpferin.

Trotz winterlicher Kälte versammelten sich am 10. Jänner 2026 rund 50 Menschen bei der Gedenktafel in der Baumgasse 39 im dritten Wiener Gemeindebezirk, um der kommunistischen Widerstandskämpferin Grete Jost zu gedenken. Die vom überparteilichen antifaschistischen Personenkomitee Landstraße veranstaltete Kundgebung unter dem Motto „Niemals vergessen! – Erinnern für die Zukunft“ war gut besucht und vereinte Generationen: Junge und alte Menschen standen gemeinsam am Ort des Gedenkens.

Der KZ-Verband Wien war mit einigen Mitgliedern vertreten. In vielseitigen Reden wurde an Grete Jost erinnert, die 1934 der bereits verbotenen KPÖ beigetreten war und sich aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime engagierte. Sie verteilte antifaschistische Schriften, warb neue Mitglieder, sammelte Beitragsgelder für verhaftete Genossinnen und Genossen und fungierte ab 1938 als wichtige Verbindungsperson zwischen Funktionär:innen in Wien und Parteigenoss:innen entlang der Südbahnstrecke. Am 8. Februar 1941 wurde Margarete Jost verhaftet und am 23. September 1942 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt. Am 15. Jänner 1943 wurde sie im Alter von nur 27 Jahren hingerichtet.

Im Anschluss an die Gedenkfeier bei der Tafel fand ein Ausklang im Bezirksmuseum Landstraße statt.

Gedenken am Roma-Mahnmal in Lackenbach

Am 15. November fand in Lackenbach die jährliche Gedenkveranstaltung der Roma-Verbände gemeinsam mit der burgenländischen Landesregierung statt. Im November 1940 war hier das nationalsozialistischen Anhaltelager errichtet worden, im November 1941 begannen die Massendeportationen in die Vernichtungslager. Besonders eindrucksvoll war der Auftritt von Schülerinnen und Schüler der Klasse 6A des BG/BRG/BORG Oberpullendorf. Für den Kulturverein österreichischer Roma sprach Obmann Christian Klippl, die Bundesregierung wurde durch Justizministerin Anna Sporrer vertreten. 

Die Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände und WiderstandskämpferInnen ermöglichte Angehörigen aller drei Organisationen – darunter Mitgliedern der Landesverbände Wien und Niederösterreich des KZ-Verbands – die Teilnahme an der Veranstaltung durch einen Bus aus Wien. 

Kranzniederlegung durch Friedl Garscha (stv. Bundesvorsitzender KZ-Verband), Gabi Tremmel-Yakali (burgenländische Landesvorsitzende der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen) und Clemens Hornich (Tiroler Landesvorsitzender der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten)
Schülerinnen und Schüler der Klasse 6A des BG/BRG/BORG Oberpullendorf

Gedenkveranstaltung am ehemaligen Aspangbahnhof

Am Sonntag, den 9. November 2025, fand die jährliche Gedenkveranstaltung der Jüdischen österreichischen Hochschüler:innen (JÖH) und des Antifaschistischen Personenkomitees Landstraße statt. Rund 80 Personen versammelten sich am Platz der Opfer der Deportation im 3. Wiener Gemeindebezirk, um an die Opfer der Shoah zu erinnern.

Der 9. November markiert den Jahrestag der nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938, in deren Nacht 1400 Synagogen, Versammlungsorte, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen zerstört und hunderte Jüdinnen und Juden ermordet wurden. In Wien brannte unter anderem der große Leopoldstädter Tempel – unter Teilnahme und Beifall der Bevölkerung. Diese Gewalt markierte den Beginn der Shoah und ebnete den Weg in die Vernichtungslager.

Die Gedenkzeremonie fand vor dem 2017 errichteten Mahnmal am ehemaligen Aspangbahnhof statt, von wo aus 50.000 Jüdinnen und Juden in die Vernichtung deportiert wurden. Bereits 1983 wurde an diesem Ort eine Gedenktafel mit dem Aufruf „Niemals vergessen!“ errichtet, die an die in den Jahren 1939-1942 deportierten Jüdinnen und Juden erinnert. 1995 benannte die Stadt Wien den Vorplatz in Platz der Opfer der Deportation um. Auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahnhofs befindet sich heute auch der Leon-Zelman-Park, benannt nach dem Gründer des „Jewish Welcome Service“. Nach Reden durch Gemeinde- und Bezirksratsabgeordnete der SPÖ, Grünen und KPÖ sprachen Vertreter:innen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und der JÖH sowie Nachkommen von Zeitzeug:innen. Die Veranstaltung wurde musikalisch mit hebräischen und jiddischen Liedern begleitet.

„Nie wieder“ – dieser Leitsatz ist nicht nur Erinnerung, sondern Verpflichtung und Versprechen für die Zukunft.