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Eröffnung der Erinnerungstafel der Synagoge in Hohenau

Gedenktafelenthüllung (von links nach rechts: Wolfgang Gaida, Reinhard Brandstetter, Hannah Lessing, Albert Dlabaja)

Die „Initiative für Erinnerungskultur Hohenau“ hat mit Unterstützung des KZ-Verbandes Niederösterreich schon einiges geschafft, wie den jüdischen Friedhof in Hohenau vom Unkraut zu befreien, für Bruno Heilig, einen gegen das Naziregime widerständigen Hohenauer, eine Gedenktafel an sein Elternhaus zu montieren. 

Jetzt gedenken sie mit einer Erinnerungstafel der 1939 abgetragenen Synagoge. Diese Tafel wurde am 13. August in Anwesenheit des Bürgermeisters von Hohenau, Wolfgang Gaida, des Initiators der Initiative, Reinhard Brandstetter, der Generalsekretärin d. Nationalfonds der Republik Österreich Hannah Lessing, des früheren Obmanns des KZ-Verbandes, Albert Dlabaja, der auch für die musikalische Untermalung sorgte, sowie der neuen Obfrau Birgit Hebein und dem Vorstandsmitglied Renate Sassmann, eröffnet. 

1. Ernst Kirchweger Preis wurde verliehen

Landessekretär Ernst Wolrab durfte gestern den 1. Ernst Kirchweger Preis an Hasan Ulukisa für sein Projekt „fragments of resistance“ zu Paul Vodicka verleihen. Wir gratulieren ihm recht herzlich!

Die Audioinstallation ist noch bis Samstag, 14. August, im Studio der Soho in Ottakring (Liebknechtgasse 32) von 16 bis 20 Uhr zu sehen

Der Preisträger Hasan Ulukisa bei der Preisverleihung mit KZ-Verband und Jury-Mitgliedern

Mit schönen Worten hat der Landessekretär Ernst Wolrab die Wichtigkeit des Preises betont:

„Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Kameradinnen und Kameraden werte Jury-Mitglieder, werter Preisträger!

Es ist mir eine Ehre, in Vertretung unserer Landesobfrau und Bundesvorsitzenden Dagmar Schindler anlässlich des Ernst Kirchweger Preises zu euch zu sprechen. Ich möchte darauf eingehen, wie es zur Ausschreibung dieses Preises gekommen ist:

Ernst Kirchweger war zeitlebens ein aktiver Antifaschist,wurde während einer Demonstration am 31. März 1965 durch die Hand eines Rechtsextremisten, der faschistische Parolen grölte, niedergeschlagen, weil er im Sinne der Aufklärung mit ihm reden wollte. Am 2. April 1965 erlag Ernst Kirchweger seinen schweren Verletzungen. Er ist damit das erste Todesopfer politischer Gewalt in der Zweiten Republik. Sein Begräbnis vereinte 25.000 Menschen, unter ihnen die halbe Bundesregierung und die Führung des ÖGB, zu einer Trauerfeier, die zu einer eindrucksvollen antifaschistischen Kundgebung wurde. 2019 sollte sein Grabstein am Zentralfriedhof aufgelöst werden. Durch einen Mitarbeiter des Zentralfriedhofs erfuhren wir vom Verband davon und  leiteten sofort eine Spendenaktion zur Rettung eines Ehrengrabes ein. Die Aktion selbst war so erfolgreich, dass nach Bezahlung des Grabes und Sanierung des Grabsteines noch eine beträchtliche Summe über blieb. Der Wiener Landesvorstand entschloss sich daraufhin, dieses Geld im Sinne Ernst Kirchwegers zu verwenden und rief den Gedenk-Preis ins Leben.

Der gestiftete Preis soll antifaschistische, kritische Arbeit von Jugendlichen für Jugendliche in den Mittelpunkt stellen, Aufklärungsarbeit leisten, genau so wie dies Ernst Kirchweger 1965 beabsichtigte. Warum finden wir gerade diese Arbeit in der heutigen Zeit so wichtig?
Die Zweite Republik ist auf einer Geschichte von Nichterinnern und Vergessen aufgebaut. Nur langsam hat sich die Erinnerung einen Weg ins Bewusstsein in Teilen dieses Landes verbreitet. Sie ist immer und immer wieder verbunden mit der Unmöglichkeit, das Grauen dauerhaft zu verdrängen, weil es sich durch die Ritzen der Gesellschaft drängt. Erinnerung in Österreich ist verbunden mit Namen und Ereignissen von Tätern: u.a. mit dem Fall Murer, mit Taras Borodajkevic, mit dem Namen Friedrich Peter, mit Walter Reder, mit der Präsidentschaftskandidatur Kurt Waldheims, mit Friedrich Gross, mit Franz Fuchs. Was will man damit unserer Jugend sagen, unserer Jugend für die Zukunft mitgeben?

Gleichzeitig wissen wir alle, die hier stehen, dass Rechtsextreme in den letzten Jahren wieder einen Auftrieb erhalten haben, auch mit Unterstützung der Regierungen. Nicht nur bei uns. In ganz Europa. Dass  diese Politik des Rassismus und der Hasspropaganda gegen Andersdenkende, MigrantInnen, Menschen auf der Flucht, zu einer Stimmung des Misstrauens und der Vernaderung geführt hat. Dieser Ernst Kirchweger Preis steht also nicht nur für Erinnerung, sondern auch für die Aufklärung der Jugend, von und für die Jugend, um zu zeigen, welche Folgen es hat, wenn Entsolidarisierung und Spaltung der Gesellschaft Oberhand gewinnen, und wie wichtig Solidarität ist. Da sind wir Menschen, in all unserer Unterschiedlichkeit, mit allem, was uns ausmacht, was jeder einzelne von uns mitbringt. Und dieses „Da-Sein“ im doppelten Sinn des Wortes gehört zu uns, weil wir alle Menschen sind. Weil wir alle anders sind und niemand gleich. Und weil uns als Menschen eines verbindet; uns alle ausnahmslos verbindet: Dass wir ein Recht haben, zu sein, zu leben. Und dass niemand – gar niemand – das Recht hat, uns, oder auch nur einzelne von uns Menschen, dieses besondere, dieses unteilbare, dieses allgemeingültige und vor allem unveräußerliche Recht auf Sein und auf ein friedliches Da-Sein in Würde zu nehmen.

Um die vor kurzen verstorbene Esther Bejerano zu zitieren:

Wir sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber wir sind verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht.

Daher nutzen wir den Ernst Kirchweger Preis,  dass Rassismus und Ignoranz keine Chance mehr haben.

       Niemals Vergessen. Nie wieder Faschismus.

       Danke für Ihre Aufmeksamkeit.“ – Ernst Wolrab

Bilder des Abends:

1. Verleihung des ERNST-KIRCHWEGER Preises

Der KZ-Verband Wien/VdA Wien darf den 1. ERNST-KIRCHWEGER-PREIS an Hasan Ulukisa für sein Projekt „fragments of resistance“ – eine Audioinstallation zu dem Widerstandskämpfer Paul Vodicka – verleihen. Im Rahmen der Preisverleihung der Preisträger uns seine Installation präsentieren. Anschließend gibt es noch 2 Tage lang im SOHO in Ottakring die Möglichkeit die Audioinstallation selbst auch anzusehene und -hören.

Wann? 12. August 2021 um 18 Uhr

Wo? Studio der Soho in Ottakring, Liebknechtgasse 32, 1160 Wien

Programm:

  • Rede des Jury-Vorsitzenden Dr. Winfried R. Garscha
  • Rede des KZ-Verband Wien Sekretärs Ernst Wolrab
  • Verleihung des Preises mit anschließender Rede des Preisträgers Hasan Ulukisa
  • Lesung Rudi Burda über Paul Vodicka

Bitte die Corona-Bestimmungen einhalten, d.h. nur geimpft oder frisch getestet!

Die Facebook Veranstaltung findet ihr unter folgendem Link:

https://fb.me/e/16QAHRvpC

Audioinstallation „fragments of resistance“, Foto: Hasan Ulukisa

„Mit dieser Audioinstallation sollen Ereignisse rund um die Befreiung
Wiens 1945 in Erinnerung gerufen werden: An historisch wichtigen
Plätzen auf einer interaktiven Stadtkarte können Tonspuren mit
historischen Bezügen und persönlichen Erinnerungen Paul Vodickas,
Zeitzeuge und Widerstandskämpfer, abgerufen werden. Mit meiner
Arbeit möchte ich für eines der Ereignisse, die häufig keine bis kaum
Erwähnung in der österreichischen Geschichtsschreibung finden,
sensibilisieren. Paul Vodicka war nicht nur Zeitzeuge, sondern auch aktiver
Widerstandskämpfer. Gemeinsam mit seiner Gruppe des KJV-44 gelang
es SS-Soldaten kampflos zu entwaffnen und somit auch West-Wien ohne
signifikante Kampfhandlungen an die Befreiermächte zu übergeben. Paul
Vodicka und seine FreundInnen kämpften für ein demokratisches, freies
und unabhängiges Österreich.“ – Hasan Ulukisa

Ausstellung im Studio der Soho in Ottakring:

  • Am Donnerstag, 12. August von 18:00 bis 20:00
  • Am Freitag, 13. August von 16:00 bis 20:00
  • Am Samstag, 14. August von 16:00 bis 20:00

Internationaler Tag des Gedenkens an den Genozid an den Sinti und Roma

2. August 2021 Ceija-Stojka-Platz – Rede von Ernst Wolrab, Bundessekretär

Ernst Wolrab, Bundessekretär – bei der Rede zum Gedenken an Genozid der Roma und Sinti

„Ich bedanke mich für die Möglichkeit, in Zusammenhang mit dieser Veranstaltung die Geschichte dieses Parks, seiner BewohnerInnen und seiner Überlebenden, kennenlernen zu dürfen. Und es ist mir eine Freude, dass mein erster Auftritt als neuer Bundessekretär des KZ-Verbands Österreichs der Antifaschist*innen und Widerstandskämpfer*innen – gerade hier bei euch stattfindet, an einem Ort, an dem noch gesprochen werden kann im Gedenken an Menschen, die hier gelebt haben, ehe sie verschleppt und ermordet wurden. Gesprochen kann nur werden, weil die Vertreiber, die Verschlepper, die Mörder zwar vertrieben, verschleppt und ermordet haben, aber weil sie besiegt wurden. Und weil sie ihr Ziel, die völlige Vernichtung von Menschen, denen sie kein „Menschsein“ zubilligen wollten, nicht erreicht haben. Weil Menschen überlebt haben, um zu erzählen, um hierher zurückzukommen. Um hier zu sein. Um da zu sein.

Mit Erinnerungen ist es bisweilen so eine Sache: Sie hat Konjunkturen. Sie können völlig verschwunden sein, und doch wieder kommen. Die Zweite Republik ist auf einer Geschichte von Nichterinnern und Vergessen aufgebaut. Nur langsam hat sich die Erinnerung einen Weg ins Bewusstsein in Teilen dieses Landes verbreitet. Sie ist immer und immer wieder verbunden mit der Unmöglichkeit, das Grauen dauerhaft zu verdrängen, weil es sich durch die Ritzen der Gesellschaft drängt. Erinnerung in Österreich ist verbunden mit Namen und Ereignissen von Tätern: u.a. mit dem Fall Murer, mit Taras Borodajkevic, mit dem Namen Friedrich Peter, mit Walter Reder, mit der Präsidentschaftskandidatur Kurt Waldheims, mit Friedrich Gross, mit Franz Fuchs, mit dem Mord an Menschen, die aus keinem anderen Grund ermordet wurden, als weil sie Roma waren.

Und wenn wir heute und hier stehen können – so wissen wir alle, dass die letzten Jahre, ganz besonders in Zusammenhang mit der Regierung Orban und dem Aufstieg der Rechtsextremisten in Ungarn, aber auch einfacher, fast schon alltäglicher Hasspropaganda gegen Roma u.a. in der Slowakei, in Tschechien,  in Rumänien und anderen Ländern Osteuropas, dass also zusammen mit dieser Hasspropaganda auch Erinnerungsdiskurse zur impliziten Rechtfertigung des Massenmordes an Roma und Sinti aus dem Dunkel des intellektuellen Versteckens an die Oberfläche des öffentlichen Diskurses kommen.

Wir sind hier am Ceija-Stojka Platz, um gemeinsam mit Freundinnen und Freunden, der Ermordeten dieser unbeschreiblichen Nacht vom 2. August 1944 zu gedenken.

2.900 – 4.300 Roma und Sinti wurden in wenigen Stunden ermordet, dieser unsterblichen Opfer gedenken wir heute hier. Wie in den letzten Jahren ist aber auch ein wichtiger Teil des Gedenkens, gemeinsam das Leben zu feiern.

Wir stehen also nicht nur hier, um zu erinnern, sondern auch zu zeigen: Da sind Menschen, in all ihrer Unterschiedlichkeit, mit allem, was sie ausmacht, was sie mitbringen. Und dieses „Da-Sein“ im doppelten Sinn des Wortes gehört zu uns, weil wir alle Menschen sind. Weil wir alle anders sind und niemand gleich. Und weil uns als Menschen eines verbindet; uns alle ausnahmslos verbindet: Dass wir ein Recht haben, zu sein, zu leben. Und dass niemand – gar niemand – das Recht hat, uns, oder auch nur einzelne Menschen, dieses besondere, dieses unteilbare, dieses allgemeingültige und vor allem unveräußerliche Recht auf Sein und auf ein Da-Sein in Würde zu nehmen.

Ich darf hier an ein Zitat von Ceija Stojka erinnern „Es ist schon lange her, aber damals geschah es doch“. Wir wissen, dass dieses unfassbare Grauen des nationalsozialistischen Regimes geschehen konnte, wir wissen auch WIE es geschah. Es waren der Rassismus, der Hass, die Ausgrenzung und die Vorurteile gegenüber Menschen, die vom herrschenden System geschürt wurden.

Damals geschah es doch, lassen wir nicht zu, dass es wieder geschehen kann. Arbeiten wir zusammen, um den Rassismus und den Hass nicht noch weiter in die Mitte der Gesellschaft vordringen zu lassen. Lassen wir uns den Zusammenhalt und die Menschlichkeit nicht nehmen.

In Erinnerung und tiefem Respekt vor den Opfern der Nazidiktatur stehen wir gemeinsam hier. Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass der ermordeten Roma und Sinti auch in Wien durch ein Mahnmal gedacht wird.

Ich danke euch.

Niemals vergessen. Nie wieder Faschismus.“

– Ernst Wolrab, Bundes- und Landessekräter KZ-Verband Österreich und Wien

Esther Bejarano geb. Lewy 1924 * – 2021 †

Nach der tieftraurigen Meldung heute früh gelten unsere ganzen Gedanken und unser tiefstes Beileid Ester Bejaranos Familie und Freund*innen.

Ester Bejarano

Esther überlebte Auschwitz und Ravensbrück. Als Mitglied des Auschwitzer „Mädchenorchesters“ musste sie bei den Selektionen an der Rampe der ankommenden Züge musizieren, um den Ankommenden das Gefühl von „Normalität“ zu suggerieren.  Als die Befreier immer näher rückten, konnte sie dem Todesmarsch entfliehen. Am 3. Mai 1945 erlebte sie in Lübz (Mecklenburg- Vorpommern) die Befreiung durch die US-amerikanische Truppen.

Esther Bejarano zusammen mit ihrem Sohn Joram und Kutlu von der Microphone Mafia bei einem Konzert im Wiener EKH 2017; Foto: Bundesverband

Das Wirken von Esther war geprägt vom „Niemals vergesen!“ Ihren Satz „Ich singe, solange es noch Nazis gibt,“ dürfen wir als Auftrag für unsere Arbeit sehen. Ihr Engagement und die berechtigte Kritik am Umgang mit geflüchtenten Menschen in Europa ebenso. Wir behalten Ester Bejarano als großes Vorbild im Kampf gegen das Erstarken der Rechten und Krieg, sowie für Frieden und Solidarität, in Erinnerung.

Stille Grüße, möge ihr die Erde leicht sein.

https://www.youtube.com/watch?v=Uo0BcY3pcgk