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Egal wie radikal, Rechte sind „normal“?

Demo vom 20.11.2021 in Wien, Höhe Urania


oder die Dreißigerjahre haben angerufen

Als VertreterInnen des Verbandes österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verbandes Wien und Niederösterreich) waren wir als BeobachterInnen auf der von der FPÖ organisierten und im Vorfeld in rechtsextremen Netzwerken beworbenen Demonstration der Corona-Leugner und Maßnahmen-Kritiker am Samstag dabei.

Vorgefunden haben wir antisemitische Plakate und Parolen, Faschismus- und Diktatur-Vergleiche, Streckbriefe von JournalistInnen, die als Flugblätter verteilt wurden. Angeführt wurde die Demo von bekannten Rechtsextremen. Es begegneten uns Menschen, die bewusst die NS-Verbrechen mit ekelhaften Vergleichen verharmlosten („1938 darf sich nicht wiederholen“); die Impfpflicht wurde mit dem NS-Vernichtungslager Mauthausen gleichgesetzt; mittendrin ein Mann mit einem Galgen, brüllend: „Friede, Freiheit, keine Diktatur“. Ein Bekannter vor Ort erzählte gleichzeitig von immer wieder die Polizei und JournalistInnen angreifenden extremen Rechten.

Diese Vorfälle kann man mittlerweile auch online nachverfolgen. Jüdische Personen wurden am Rande mit „Wo sind die Gaskammern, wenn man sie braucht“, angepöbelt und bedroht. Auf Twitter berichtet ein User: „Eine Freundin mit afrikanischen Wurzeln wurde heute gemeinsam mit einer 15-jährigen Kopftuchträgerin beim Volkstheater von Neonazis eingekreist, die Hitlergruß zeigten und sie bespuckten. Ein Mitarbeiter des Volkstheaters hat die Szene beobachtet und sie ins Theater geholt“.

Am Heldenplatz angekommen, fanden wir die Situation sehr beklemmend. Ein Einpeitscher über Lautsprecher zog Parallelen zum 2. Weltkrieg, eine grölende Masse applaudierte, dazwischen das oft wiederholte Lied „Immer wieder Österreich“. Hier fühlte man sich wirklich in die Dreißigerjahre versetzt.
Und nein, wir hatten keine Angst, dass unter diesem Menschen jene sind, bei denen unlängst ein Waffenlager gefunden wurde, mit dem man eine Armee von Rechtsextremen bewaffnen kann, oder dass jemand ein Messer zückt. Aber müssen wir erst diese Angst spüren, bevor aufgeklärte Menschen die Bedrohung erkennen? Gilt die Gefahr für uns als Gesellschaft erst dann, wenn Blut fließt oder sich ein Mob zusammentut und – wie im Vorfeld angekündigt – ein Krankenhaus stürmt und PflegerInnen und ÄrztInnen bedroht?

Niemand redet davon, dass hier nur Neonazis marschiert sind. In der U-Bahn trafen wir ein freundlich wirkendes Pärchen, das besprach, wie sie wohl am besten zum Heldenplatz kommen. Eine Gruppe Steirer rief nach dem Aussteigen: „Scheiß mi an, jetzt samma in Wien.“ Hier trafen sich NaturanpreiserInnen, Menschen mit Plakaten „Lieber stehend sterben als kniend Leben – Freiheit“ oder eine Gruppe junger Studierender. Und alle marschieren hinter geschichtsvergessenen, zynischen Transparenten.
Niemand (niemand!) von den TeilnehmerInnen darf sich darüber wundern, wenn man sie für rechtsextrem hält, wenn sie hinter rechtsextremen Transparenten herlaufen.

Umso bedauerlicher finden wir die medialen Reaktionen nach den Aufmarsch am Samstag: Liberale predigen Harmonie mit den Rechten, die hier marschiert sind, ganz „normale“ Menschen, die ihren Protest ausdrücken. Nein. Wir plädieren dafür, die Menschen nicht zu entmündigen, sie ernst zu nehmen und keinen Harmonieschleier über die Demo-TeilnehmerInnen zu legen. Sie wissen, was sie tun. Durch die mediale „Normalisierung“ verschiebt sich der Diskurs gefährlich weiter nach rechts. Und leider können sich die Demonstrierenden auch darauf verlassen, dass die Polizei sie (fast) ohne Konsequenzen marschieren lässt, sie brauchen sich nicht einmal an die vorgeschriebene Maskenpflicht halten, denn die Polizei (-führung) lässt sie seit Monaten ungehindert marschieren. Rechte Demonstrationen werden begleitet, ohne die Einhaltung von Covid-Regeln einzumahnen. Im Gegensatz zu anderen Demonstrationen: linke DemonstrantInnen, ausnahmslos Masken tragend, wurden z.B. im Frühjahr wegen fehlendem 2-m-Abstands belangt .

Jene, die seit 20 Monaten Covid verharmlosen, werden wiederkommen, um auf Wiens Straßen zu marschieren. anderen Angst machen, angeführt von Rechtsextremen, und so manch einer glaubt, sie seien die „neuen Juden“. Und gleichzeitig kämpfen Menschen in Spitälern um Menschenleben.
Wir sollten uns alle fragen, wie es soweit kommen konnte.

Dagmar Schindler, Obfrau KZ-Verband/VdA Wien
Ernst Wolrab, Landessekretär KZ-Verband/VdA Wien
Birgit Hebein, Obfrau KZ-Verband/VdA NÖ



Termine Oktober – November

Termine Oktober – November

Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Freundinnen und Freunde

Rund um den Nationalfeiertag und dem Totengedenken am Zentralfriedhof, dürfen wir euch zu folgenden Terminen einladen.

Gedenkveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverbände

Freitag 22. Oktober

9:00: Amtshaus Floridsdorf Am Spitz – durchgeführt vom Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer:innen und aktiver Antifaschist:innen

10:30: Weiheraum (Hinrichtungsraum) im Landesgericht für Strafsachen Wien, 1080 Wien Landesgerichtsstraße 11 – durchgeführt von der ÖVP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner Österreichs

12:00 Gedenkraum für die Opfer der Gestapo, 1010 Wien, Salztorgasse 6, mit anschließender Kranzniederlegung beim Mahnmal am Morzinplatz – durchgeführt vom KZ-Verband/VdA, Bundesverband der Antifaschist:innen, Widerstandskämpfer:innen und Opfer des Faschismus


Dienstag 26. Oktober

09:30  Kranzniederlegung beim Deserteursdenkmal „Ehrung für die wahren Helden“ anschließend fahren wir gemeinsam in den Donaupark auf Einladung des Personenkomitees zur Gedenkfeier beim Mahnmal an der Schießstätte

Montag 1. November

Totengedenken am Wiener Zentralfriedhof

15:00
MAHNMAL DER STADT WIEN für die Opfer des Faschismus,auf dem Zentraklriedhof,

Anschließend Kranzniederlegung in der Gruppe 40, wo die fehlenden Grabsteine gesetzt wurden.

Totengedenken in Hainburg

11:00 Friedhof Hainburg

9. November – Gedenken Aspangbahnhof

18:00 Kranzniederlegung

13. November Gedenken Lackenbach

In diesem Jahr wird kein Bus organisiert, wir machen Fahrgemeinschaften.

Kulturambulanz am Volksstimmefest

Nach einer langen Durststrecke öffnen die KZ-Verbände Wien und Niederösterreich wieder ihr Zelt in der Initiativenstraße am Volksstimmefest. In unserer Kulturambulanz haben wir Freundinnen und Freunde eingeladen, die uns ein buntes Programm bieten, von allem das, was wir in den letzten Monaten schwer vermisst haben. Nicht nur das Gulasch und das Bier, vor allem wieder eine ordentliche Portion Kultur! 

Samstag 4.9. (Änderungen möglich) 

15:00 Rudi Burda – Lesung aus „Sandige Leiten, rote Saat“ musikalisch begleitet von Billy Wotawa
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15:40 Iris Stern – „Geschichten im Ernst“ 
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16:30 Luis Stabauer – Lesung aus „Die Weißen“, musikalisch begleitet von Reinhart Sellner 

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17:20 Maren Rahmann/Laut Fragen 
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Sonntag 5. 9. 

14:00 Kurti Winterstein – Wie immer wird er spontan entscheiden, was er spielt und wie es gerade passt 
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14:50 Georg Tidl – Lesung ____________________________

15:40 Nena Kiesler, Poetry Slam 
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16:30 Rudi Burda und seine Hawara unter dem Motto Liederbegegungen __________________________________________

17:20 Hozan Qamber & Band __________________________________________

Ihr findet uns in der Mitte der Initiativenstraße. Bitte beachtet, dass für den Zutritt ins Zelt – und somit zur Bühne – die 3G Regeln einzuhalten sind. 

Exkursion des KZ-Verbands nach Hartheim am 29. August

Schloss Hartheim; Copyright: erinnern.at

Das Schloss Hartheim bei Alkoven (westlich von Linz) war die größte Mordanstalt im „Euthanasie“-Programm der Nazis. Mit „Euthanasie“ bezeichneten die Nazis die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“.
Hartheim war eine der Ausbildungsstätten, wo die Massenmörder des Holocaust lernten, Gaskammer und Krematorium zu bedienen. Fast 30.000 Menschen aus dem ganzen nationalsozialistischen Machtbereich wurden hier getötet.

Heute ist Schloss Hartheim ein Lern- und Gedenkort:

https://www.schloss-hartheim.at/gedenkstaette-ausstellung/gedenkstaette


Wir erhalten eine Führung durch die neu gestaltete Ausstellung „Wert des Lebens. Der Umgang mit den Unbrauchbaren“. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Lebenssituation behinderter bzw. psychisch kranker Menschen in der Zeitspanne von der Zeit der Aufklärung bis zur Gegenwart.

Ausstellung „Wert des Lebens. Der Umgang mit den Unbrauchbaren“:

https://www.schloss-hartheim.at/gedenkstaette-ausstellung/ausstellung-wert-des-lebens

EXKURSION – 29. August 2021


Abfahrt 7 Uhr früh (pünktlich!!) Wien 2, Praterstern 1.
Pause im Autobahnrestaurant Strengberg
Beginn der Führung in Hartheim: 11 Uhr
Mittagessen: 13 Uhr im Landgasthaus Lehnerwirt in Alkoven
Rückkunft in Wien: zwischen 17.30 und 18 Uhr

Anmeldung aufgrund der Covid-Maßnahmen notwendig und unter folgender E-Mail Adresse möglich:

office(at)kz-verband-wien. at