Ella Kampel (4.10.1922 – 1.4.2013)

Am 1. April starb im 91. Lebensjahr Angela (Ella) Kampel, geb. Bieder. Schon als Siebenjährige bei den Roten Falken aktiv, war 1937 – als noch nicht 15-Jährige – dem illegalen Kommunistischen Jugendverband beigetreten, mit dem sie bereits vorher, wie sie später sagte, „verbandelt“ war: Beeindruckt vom Auftritt des bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff beim Leipziger Reichstragsbrand-Prozess, hatte sie sich einer Gruppe junger Pioniere (wie die kommunistische Kinderorganisation genannt wurde) mit der Bezeichnung „Stoßtrupp Dimitroff“ angeschlossen.

Ella arbeitete in der Werkzeugfabrik „Blau“ in der Hellwagstraße im 20. Bezirk, wo auch die 1943 hingerichteten Widerstandkämpfer Josef Baldrmann und Walter Schopf aktiv waren; sie beteiligte sich an der Verbreitung von Flugblättern im Betrieb. Sie wurde 1942 verhaftet. Am 14.10.1943 stand sie, mit anderen FunktionärInnen des KJV, vor dem Volksgerichtshof, der fünf Angeklagte zum Tode, einen zu zehn und eine (Angela Bieder, damals schon verheiratete Kampel) zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilte. Den Großteil ihrer Strafe saß sie (ab Dezember 1943), im Kloster Jauer/Jawor bei Breslau ab, das in ein Zuchthaus umgewandelt worden war. Später kam auch eine enge Freundin von ihr, Anni Aschenbrenner, deren Todesurteil gnadenhalber in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden war, nach. Gemeinsam mit der dritten Österreicherin in Jauer, Hansi Polak, die zehn Tage vor ihr zum Tode verurteilt und, wie Aschenbrenner, zu acht Jahren Zuchthaus begnadigt worden war, flüchtete Ella Kampel Ende 1944, während des Evakuierungstransports, und kehrten in das Kloster Jauer zurück, wo die kranken Häftlinge zurückgelassen worden waren. Im Jänner 1945 wurde Jauer/Jawor von der Roten Armee befreit. Da eine Rückkehr nach Österreich noch nicht möglich war, schloss sich Ella Kampel einer Einheit der Roten Armee an. In einem Interview mit Charlotte Rombach erzählte sie: „Wir […] fuhren mit ihnen durch Deutschland, u.a. nach Dresden, das damals schon total zerbombt war. Dort habe ich […] einen Aufruf zur Kapitulation an die deutschen Soldaten, die im Südosten (Bulgarien) noch

Ella Kampel (Foto: Charlotte Rombach)
Ella Kampel (Foto: Charlotte Rombach)

versprengt waren, auf der Schreibmaschien geschrieben. Am 9. Mai haben wir mit den Rotarmisten den Sieg über die Faschisten gefeiert. Wir hatten Glück, diese Abteilung ist im Juni 1945 nach Wien versetzt worden.“ („Widerstand und Befreiung 1934-1945“, 4. Aufl., Wien 2011)

Angela Kampel war es ein großes Anliegen, dazu beizutragen, dass ihre hingerichteten Arbeitskollegen Schopf und Baldrmann nicht vergessen werden, an die im 20. Bezirk (u.a. im Gerlhof) Gedenktafeln erinnern. Die Umbenennung des Gemeindebaues, in dem sie bis zu ihrem Tod gelebt hatte, in „Josef-Baldermann-Hof“ hat sie nicht mehr erlebt.

Gemeindebau nach Josef Baldrmann benannt

Aufgrund eines einstimmigen Vorschlags der Bezirksvertretung Wien-Brigittenau wurde der Gemeindebau in der Pasettistraße 9-21 „Josef-Baldermann-Hof“ benannt. An der feierlichen Namensgebung am 17. September 2013 beteiligte sich auch der Wiener KZ-Verband, der dort ein Informationsblatt zu Josef Baldrmann verteilte.

Die Redner auf der gut besuchten Veranstaltung waren Wohnbaustadtrat Michael Ludwig namens der Gemeinde Wien, Bezirksvorsteher Hannes Derfler namens des 20. Bezirks, Hannes Schwantner namens der Arbeitsgemeinschaft der Opferverbände und Kurt Cizek namens der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer/innen Wien-Brigittenau, der auch auf den politischen Lebensweg von Josef Baldrmann einging. Im Anschluss daran verlas der Schauspieler und Regisseur Peter Lodynski Passagen aus dem Urteil des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs, den letzten Brief Baldrmanns sowie das Hinrichtungsprotokoll vom 2. März 1943. Josef Baldrmann jun. dankte abschließend für die Ehrung seine Vaters.

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Veranstaltung im Josef-Baldrmann- Hof am 17. Sept. 2013: Es sang der Erste Wiener Gemeindebauchor
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Kurt Cizek, Obmann der Sozialdemokrati- schen Freiheits- kämpfer/innen im 20. Bezirk
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Josef Baldrmann jun., Sohn des Hingerichteten
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Stadtrat Ludwig und Bezirksvor- steher Derfler ent- hüllten die Tafel, links Josef Baldr- mann jun.
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Transparent des Wiener KZ-Verbands vor dem Josef-Baldrmann-Hof

(Die Namensschreibung „Baldermann“ findet sich auf einer Karteikarte der Gestapo und auf einem vor-ausgefüllten Briefpapier des KZ Groß-Rosen. Die korrekte Namensform, die auch in allen Gerichtsdokumenten verwendet wird, ist Baldrmann.)

„Hätte in England 1938 das heutige österreichische Flüchtlingsrecht gegolten, hätte ich nicht überlebt!“

Der Landesverband Wien österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA Wien) drückt sein Entsetzen über die Abschiebung von pakistanischen Asylwerbern aus der von der katholischen Kirche zur Verfügung gestellten Unterkunft im Wiener Servitenkloster aus und protestiert gegen diesen weiteren Schritt zur faktischen Abschaffung des Asylrechts durch österreichische Gerichte und Behörden. „„Hätte in England 1938 das heutige österreichische Flüchtlingsrecht gegolten, hätte ich nicht überlebt!““ weiterlesen