8. Mai – Tag der Befreiung

Dank und Anerkennung dem antifaschistischen Widerstand

Feier beim Denkmal der jugoslawischen Partisan*innen (8. Mai 2022, 12:15, ZFH, Gruppe 88)

Am 8. Mai 1945 endete in Europa der Zweite Weltkrieg, die deutsche Wehrmacht kapitulierte. Der 8. Mai ist ein Freudentag, weil er das Ende des Mordens, der Folter, der Hinrichtungen und der Barbarei bedeutete. Der 8. Mai erlaubte den Inhaftierten die Lager und Zellen zu verlassen, bot jenen im Exil die Möglichkeit zurückzukehren und jenen, die sich Jahre verstecken mussten, wieder in Freiheit zu leben. Er stoppte die Täter*innen und ermöglichte zumindest wenige von ihnen einer Bestrafung zuzuführen.

Der 8. Mai kam nicht von heute auf morgen und er kam nicht von selbst – die Befreiung war nur durch den bedingungslosen Einsatz der Alliierten Soldat*innen möglich. Österreich befreite sich nicht selbst, nur die wenigsten leisteten Widerstand. Der Kampf der Partisan*innen war dabei der wichtigste, effektivste und militärisch relevanteste „eigene Beitrag“ zur Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft. Das in Slowenien gegründete 1. Österreichische Freiheitsbataillon muss hier unbedingt erwähnt werden.

Der Einsatz der Kärntner Slowen*innen, und derer, die sich den Partisan*innen anschlossen, wurde nach 1945 kaum gewürdigt; ganz im Gegenteil ließ man zu, dass diese diffamiert und Denkmäler für sie beschmiert und zerstört wurden. Das einzige Partisan*innen-Denkmal Wiens wurde erst 41 Jahre nach Kriegsende errichtet, und dann auch nicht zentral am Helden- oder Rathausplatz, sondern versteckt am Wiener Zentralfriedhof, heute vergessen und verwildert.

Der Klub slowenischer Studentinnen und Studenten in Wien / Klub slovenskih Študentk in Študentov na Dunaju (KSŠŠD) und der Landesverband Wien österreichischer Antifaschist*innen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband Wien) laden heuer zu einer Feier beim Denkmal der jugoslawische Partisan*innen. Um den Befreier*innen und Widerstandskämpfer*innen zu danken, den Tag der Befreiung zu feiern und den Kampf der Partisan*innen zu würdigen.

Smrt fašizmu, svoboda narodu!

Programm beim Denkmal:

Beginn: 12:15, Zentralfriedhof, Gruppe 88

– Begrüßung KZ-Verband Wien

– Redebeiträge KSŠŠD und Verband der Kärntner Partisan*innen/Zveza koroških partizanov

– Chor

– Kränze und Blumen

Programm davor (optional):

Treffpunkt 9:30 Karlsplatz (Otto-Wagner-Pavillion), gemeinsame Kranzniederlegung am Denkmal der Roten Armee

Treffpunkt: 10:30, Abfahrt: 11:00, Karlsplatz (Otto-Wagner-Pavillion)

Gemeinsame Anreise mit feierlich-antifaschistisch geschmückter Bim und Input zum antifaschistischen Widerstand (2G!; Anmeldung, da nur begrenzte Anzahl an Plätzen!

Wir machen „Urlaub“

Liebe Freundinnen und Freunde, wir sind bis 14. April auf Studienreise auf den Spuren der Partisan:innen in Slowenien, unser Büro ist daher nicht besetzt, ihr erreicht uns per Mail bzw. hier auf Facebook! Als Entschädigung gibt es dann dafür unseren Reisebericht

Abschied von Walter Winterberg

Walter Winterberg 21. Jänner 1924-17. März 2022

In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser Kamerad Mag. Walter Winterberg am 17. März 2022 verstorben ist.

Geboren am 21. Jänner 1924 in Wien, wuchs er in einer sozialdemokratisch denkenden Familie auf und wurde aufgeklärt erzogen. Sein „rotes“ Umfeld, also seine Verwandten und Bekannten, beeinflusste ihn tiefgreifend. Schon in der Volksschule besuchte er statt dem Religionsunterricht den Freidenker-Unterricht und war bei den Kinderfreunden. Die Mittelschule absolvierte er während des Austrofaschismus und der Nazidiktatur, er maturierte 1942.
Ein von ihm sehr geliebter Onkel, damals schon Kommunist, wird von den Nazis umgebracht. Er wird ein Vorbild für ihn.
Nach der Matura wurde Walter durch die Nazis in einen Zwangsarbeitsdienst gesteckt.
Mit einem Freund versuchte er Anfang Jänner 1943 in die Schweiz um zum Maquis in Frankreich zu gelangen, wurde aber von der Grenzpolizei entdeckt und verhaftet. Die Gestapo transportierte ihn ins Lager Reichenau (bei Innsbruck), einem kleinen Außenlager des KZ Dachau. Ende April 1944 wurde er ins KZ Buchenwald überstellt, er trug die Häftlingsnummer 22.956. Im KZ schloss er sich der illegalen Lagerorganisation der Kommunisten an.

Nach der Befreiung im April 1945 kehrte er nach Wien zurück und trat in den Polizeidienst, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war. Er war in der KPÖ politisch aktiv, und trat konsequent für marxistische Positionen ein. Von Anbeginn war er Mitglied des KZ-Verbandes. Aus tiefster Überzeugung Antifaschist war es ihm ein Anliegen, seine Erinnerungen weiterzugeben. Er war ein gefragter Zeitzeuge in Schulen, wo er seine Erlebnisse, verbunden mit seinem großen historischen Wissen den Jugendlichen fesselnd vermittelte.

Eine Auswahl seiner vielfältigen Artikel, Kommentare, Analysen, Referate und Briefe findet sich in den Büchern „Gedanken zum Antikommunismus“ (2009), „Schwimmen gegen den Strom“ (2012) und „Politische Analysen eines Zeitzeugen (2017).

Unsere aufrichtige Anteilnahme seiner Familie, Freunden und Weggefährten und allen die ihn gekannt und geschätzt haben.

Stille Grüße

12 Februar 1934, die Erinnerung wach halten

Liebe Kameradinnen und Kameraden, liebe Freundinnen und Freunde.

Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig, die Erinnerung an den Februar
1934 wach zu halten. Die Landesverbände Wien und Niederösterreich laden euch
herzlichst ein. Wir gedenken der Kämpferinnen und Kämpfer, die sich gegen
den Austrofaschismus gestellt haben, mit unserem traditionellen Rundgang

Samstag 12. Februar

Treffpunkt 10:00  Weisseldenkmal

21. Bezirk Georg-Weisselhof, Prager Straße 18

Von dort gehen wir weiter zum Schlingerhof, einem Schauplatz der Kämpfe im
21. Bezirk Brünner Straße 34-38

Eine kleine Delegation (maximal 6 Personen) wird dann weiter nach Erdberg
fahren, um beim – nicht öffentlich zugänglichen – Denkmal für die
Straßenbahner in der Remise Erdberg einen Kranz niederzulegen.

Weitere Veranstaltungen die wir empfehlen:

12. Februar: Treffpunkt Maria-Restituta-Platz, 12.45 Uhr –> die
Demonstration geht über den Gerlhof zum Höchstädtplatz

12. Februar 2022 Tag des Aufstands gegen den Austrofaschismus, Treffpunkt
15:00

16. Bezirk Matteotiplatz

13. Februar:, 15 Uhr Goethehof Haupteingang,

Schüttaustraße 1-39, 1220 Wien (bei der Gedenktafel)

Mit antifaschistischen Grüßen

Dagmar & Ernst & Birgit

Egal wie radikal, Rechte sind „normal“?

Demo vom 20.11.2021 in Wien, Höhe Urania


oder die Dreißigerjahre haben angerufen

Als VertreterInnen des Verbandes österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verbandes Wien und Niederösterreich) waren wir als BeobachterInnen auf der von der FPÖ organisierten und im Vorfeld in rechtsextremen Netzwerken beworbenen Demonstration der Corona-Leugner und Maßnahmen-Kritiker am Samstag dabei.

Vorgefunden haben wir antisemitische Plakate und Parolen, Faschismus- und Diktatur-Vergleiche, Streckbriefe von JournalistInnen, die als Flugblätter verteilt wurden. Angeführt wurde die Demo von bekannten Rechtsextremen. Es begegneten uns Menschen, die bewusst die NS-Verbrechen mit ekelhaften Vergleichen verharmlosten („1938 darf sich nicht wiederholen“); die Impfpflicht wurde mit dem NS-Vernichtungslager Mauthausen gleichgesetzt; mittendrin ein Mann mit einem Galgen, brüllend: „Friede, Freiheit, keine Diktatur“. Ein Bekannter vor Ort erzählte gleichzeitig von immer wieder die Polizei und JournalistInnen angreifenden extremen Rechten.

Diese Vorfälle kann man mittlerweile auch online nachverfolgen. Jüdische Personen wurden am Rande mit „Wo sind die Gaskammern, wenn man sie braucht“, angepöbelt und bedroht. Auf Twitter berichtet ein User: „Eine Freundin mit afrikanischen Wurzeln wurde heute gemeinsam mit einer 15-jährigen Kopftuchträgerin beim Volkstheater von Neonazis eingekreist, die Hitlergruß zeigten und sie bespuckten. Ein Mitarbeiter des Volkstheaters hat die Szene beobachtet und sie ins Theater geholt“.

Am Heldenplatz angekommen, fanden wir die Situation sehr beklemmend. Ein Einpeitscher über Lautsprecher zog Parallelen zum 2. Weltkrieg, eine grölende Masse applaudierte, dazwischen das oft wiederholte Lied „Immer wieder Österreich“. Hier fühlte man sich wirklich in die Dreißigerjahre versetzt.
Und nein, wir hatten keine Angst, dass unter diesem Menschen jene sind, bei denen unlängst ein Waffenlager gefunden wurde, mit dem man eine Armee von Rechtsextremen bewaffnen kann, oder dass jemand ein Messer zückt. Aber müssen wir erst diese Angst spüren, bevor aufgeklärte Menschen die Bedrohung erkennen? Gilt die Gefahr für uns als Gesellschaft erst dann, wenn Blut fließt oder sich ein Mob zusammentut und – wie im Vorfeld angekündigt – ein Krankenhaus stürmt und PflegerInnen und ÄrztInnen bedroht?

Niemand redet davon, dass hier nur Neonazis marschiert sind. In der U-Bahn trafen wir ein freundlich wirkendes Pärchen, das besprach, wie sie wohl am besten zum Heldenplatz kommen. Eine Gruppe Steirer rief nach dem Aussteigen: „Scheiß mi an, jetzt samma in Wien.“ Hier trafen sich NaturanpreiserInnen, Menschen mit Plakaten „Lieber stehend sterben als kniend Leben – Freiheit“ oder eine Gruppe junger Studierender. Und alle marschieren hinter geschichtsvergessenen, zynischen Transparenten.
Niemand (niemand!) von den TeilnehmerInnen darf sich darüber wundern, wenn man sie für rechtsextrem hält, wenn sie hinter rechtsextremen Transparenten herlaufen.

Umso bedauerlicher finden wir die medialen Reaktionen nach den Aufmarsch am Samstag: Liberale predigen Harmonie mit den Rechten, die hier marschiert sind, ganz „normale“ Menschen, die ihren Protest ausdrücken. Nein. Wir plädieren dafür, die Menschen nicht zu entmündigen, sie ernst zu nehmen und keinen Harmonieschleier über die Demo-TeilnehmerInnen zu legen. Sie wissen, was sie tun. Durch die mediale „Normalisierung“ verschiebt sich der Diskurs gefährlich weiter nach rechts. Und leider können sich die Demonstrierenden auch darauf verlassen, dass die Polizei sie (fast) ohne Konsequenzen marschieren lässt, sie brauchen sich nicht einmal an die vorgeschriebene Maskenpflicht halten, denn die Polizei (-führung) lässt sie seit Monaten ungehindert marschieren. Rechte Demonstrationen werden begleitet, ohne die Einhaltung von Covid-Regeln einzumahnen. Im Gegensatz zu anderen Demonstrationen: linke DemonstrantInnen, ausnahmslos Masken tragend, wurden z.B. im Frühjahr wegen fehlendem 2-m-Abstands belangt .

Jene, die seit 20 Monaten Covid verharmlosen, werden wiederkommen, um auf Wiens Straßen zu marschieren. anderen Angst machen, angeführt von Rechtsextremen, und so manch einer glaubt, sie seien die „neuen Juden“. Und gleichzeitig kämpfen Menschen in Spitälern um Menschenleben.
Wir sollten uns alle fragen, wie es soweit kommen konnte.

Dagmar Schindler, Obfrau KZ-Verband/VdA Wien
Ernst Wolrab, Landessekretär KZ-Verband/VdA Wien
Birgit Hebein, Obfrau KZ-Verband/VdA NÖ