Rudolf Gelbard (4.12.1930 – 24.10.2018)

 

Gelbard

Als Achtjähriger wurde Gelbard in der Wiener Leopoldstadt während der Pogromnacht im November 1938 schon von Nazis bedroht, vier Jahre später wurde er mit den Eltern nach Theresienstadt deportiert; die Nazis ermordeten 19 seiner Familienmitglieder. Gleich nach seiner Rückkehr 1945 musste er erste Erfahrungen mit dem Fortleben des Nazi-Ungeists in Wien machen. Schon 1946 nahmen Nazi-Studenten eine Vorlesung über die Geschichte der Juden im Mittelalter zum Anlass antisemitischer Tumulte. Rudi führte ab nun die Auseinandersetzung mit dem Neonazismus nicht mehr nur mit Worten. 1948 beteiligte er sich an der Sprengung der Gründerversammlung des „Verbands der Rückstellungsbetroffenen“ im Hotel Wimberger – mit diesem Verein wollten sich die Nazis, die jüdischen Besitz „arisiert“ hatten, dagegen zur Wehr setzen, dass sie diesen zurück geben sollten. Die ehemaligen Nationalsozialisten organisierten sich im „Verband der Unabhängigen“ (aus diesem VdU ging 1956 die FPÖ hervor). Im Februar 1955 wollte der VdU- Nationalratsabgeordnete Stüber im Hotel Münchnerhof in der Mariahilferstraße gegen die „jüdischen Forderungen an Österreich“ hetzen, während die österreichischen Rentner „hungerten“. Rudi Gelbard half tatkräftig mit, dass aus Stübers Versammlung nichts wurde.
Nach dem Abzug der Alliierten spürten die Neonazis Oberwasser. Zum 200. Geburtstag Friedrich Schillers marschierten die unterschiedlichsten Neonazi-Gruppen und „schlagenden“ Burschenschaften, teilweise in Uniform, auf, um wieder „Flagge zu zeigen“. Da die Polizei sie nicht daran hinderte, organisierten AntifaschistInnen Gegenkundgebungen – unter ihnen Rudi Gelbard, der auch an den tätlichen Auseinandersetzungen mit den Neonazis beteiligt war. Auf der Hochschule für Welthandel unterrichtete 1965 ein Professor Borodajkewicz, der seine Vorlesungen mit antisemitischen Bemerkungen „würzte“, was von den Nazi-Studenten mit johlendem Gelächter quittiert wurde – sie ließen sich von den Beifallskundgebungen für ihr Idol auch nicht abhalten, als Borodajkewicz vor laufenden Fernsehkameras sprach. Die Demonstrationen zur Abberufung des Professors durch den Unterrichtsminister und die Säuberung der Universitäten – 20 Jahre nach der Befreiung! – vom Nazi-Spuk am 29. und 31. März 1965 führten zu Straßenschlachten, an denen sich auch Rudi Gelbard beteiligte. Er musste erleben, wie ein Mitglied des Ringes freiheitlicher Studenten, Günther Kümel, vor dem Hotel Sacher den Antifaschisten Ernst Kirchweger, einen Verfolgten des NS-Regimes, erschlug. Die mit Holzlatten bewaffneten Nazi-Studenten hatten „Hoch Auschwitz!“ gebrüllt – Kirchweger löste sich aus dem Demonstrationszug, um den jungen Männern zu erklären, was für eine Ungeheuerlichkeit diese Losung war. Der Amateur-Boxer Kümel fühlte sich „bedroht“ und schlug zu. Das Gericht verurteilte ihn später wegen „Notwehrüberschreitung“…
Wenn Rudi Gelbard über diese für sein weiteres antifaschistisches Engagement entscheidenden Tage berichtete, hob er immer hervor, dass dieser Totschlag Österreich wach rüttelte und für einen kurzen Moment den antifaschistischen Konsens des Jahres 1945 wiederherstellte: Hinter dem Sarg Kirchwegers marschierte die halbe Bundesregierung, die ÖGB-Sitze und mehr als 25.000 Wienerinnen und Wiener; dieser 8. April 1965 wurde damit zur größten antifaschistischen Kundgebung seit 1945.
Vor allem seit seiner Pensionierung war Rudi Gelbard unermüdlich in Schulen unterwegs und sprach auf Kundgebungen. Er wurde zur gewichtigsten Stimme des „Bunds Sozialdemokratischer FreiheitskämpferInnen, Opfer des Faschismus und aktiver AntifaschistInnen“, wenn es um heutigen Antifaschismus und Erinnern an den Holocaust und andere Gräuel der Nazi-Diktatur ging. Der KZ-Verband fand in ihm immer einen wortgewaltigen Bündnispartner. Seit 2016 war Rudi Gelbard Ehrenmitglied des Landesverbands Wien des KZ-Verbands.
Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe, wir teilen unsere Trauer mit den Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen und allen AntifaschistInnen.

Auflösung der Grabstätte von Ernst Kirchweger verhindern!

 

Ernst-Kirchweger

Liebe Kameradinnen und Kameraden,

liebe Freundinnen und Freunde,

Vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass die Grabstättevon Ernst Kirchweger am Wiener Zentralfriedhof aufgelöst werden soll. Die Frist ist bereits abgelaufen und der Grabstein wurde bereits zwecks Entfernung markiert.

Uns Allen ist bewusst wie wichtig es ist, gerade in Zeiten wie diesen, die Erinnerung an Ernst Kirchweger und die Umstände seiner Ermordung aufrecht zu erhalten, daher  haben wir uns entschieden, gemeinsam mit der KPÖ (2 Drittel, 1 Drittel) die Grabstätte zu übernehmen. Nutzer der Grabstätte wird der KZ-Verband Wien sein und natürlich auch die Kosten für die Grabpflege und eventueller Renovierungen des Grabsteines (wenn notwendig) übernehmen.

Wir haben jetzt einen Aufschub von wenigen Tagen erhalten um die Grabstätte als KZ-Verband/VdA Wien zu übernehmen und uns daher zu diesem Schritt entschieden.

Das ist natürlich mit einem finanziellen Aufwand verbunden, welcher in unserem Budget für 2018 nicht geplant war.

Wir bitten daher um eine Spende im Rahmen Ihrer/Euer Möglichkeiten an folgende Bankverbindung

 

BAWAG P.S.K., IBAN: AT04 1400 0018 1076 3597

Verwendungszweck: Ernst Kirchweger

 

Über die weiteren Schritte werden wir Euch bei unserem Jour Fix und im nächsten Rundbrief auf dem Laufenden halten.

Mit antifaschistischen Grüßen

Dagmar Schindler

Obfrau

Termine Oktober – November

Antifa- Konferenz

Samstag 13. Oktober

Einlass 12.00 – Beginn 13.00

Sitzungssaal KZ-Verband

Lassallestraße 40/2/2/6

 

Jour Fix KZ-Verband Wien

Mittwoch 17. Oktober

Beginn 18.00

Sitzungssaal KZ-Verband

Lassallestraße 40/2/2/6

Widerstand gegen türkis/schwarz/blau und die Beteiligung des KZ-Verbandes

 

 

Enthüllung der Gedenktafel am Außenlager Floridsdorf

Dienstag 23.10.2018

11:00  –  12:00

Hopfengasse 12, 1210 Wien

 

Die Bezirksvorstehung Floridsdorf und die Arbeitsgemeinschaft der NS-Opferverände und Widerstandskämpfer/innen Österreichs enthüllen an dem Ort, an dem sich das KZ-Außenlager Wien-Floridsdorf befand, eine Gedenktafel

 

Kranzniederlegung für die Opfer der NS-Militärjustiz

Freitag 26. Oktober

9.00 – Ballhausplatz

Im Anschluss an die Kranzniederlegung beim Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz (Deserteursdenkmal) werden wir gemeinsam an der alljährlichen Gedenkveranstaltung bei der ehemaligen Schießstätte im Donaupark in Kagran teilnehmen. (Beginn 11.00)

 

 

Gruppe 40: QR-Code – und 10 neue Gedenksteine

Sonntag 28. 10.

Beginn: 10.00

Zentralfriedhof Gruppe 40

 

Die Gedenkstätte für die hingerichteten WiderstandskämpferInnen auf dem Zentralfriedhof (Gruppe 40) wird mit einem QR-Code ausgestattet, der Informationen zu den Hingerichteten und zur Lage ihrer Gedenksteine enthält. Außerdem werden die ersten 10 zusätzlichen Gedenksteine – von insgesamt 70 noch fehlenden Gedenksteinen – aufgestellt

Totengedenken 1. November

ab 14.00

Zentralfriedhof Wien

14.15 – Treffpunkt im Gedenken an die Spanienkämpfer beim Tor 2, gemeinsamer Marsch

zur Kranzniederlegung und Gedenken beim Denkmal der Spanienkämpfer*innen

15.00 – Kranzniederlegung und Gedenken beim Denkmal der Republik

anschließend gemeinsamer Marsch zur Gruppe 40 und Gedenken an die Widerstandskämpfer*innen

 

 

80 Jahre Novemberpogrom

Mittwoch 7. November

Beginn 18.30

Sitzungssaal KZ-Verband

Lassallestraße 40/2/2/6

 

Claudia Kuretsidis-Haider und Friedl Garscha werden uns bei dieser Veranstaltung einerseit die Verbrechen dieser Tage näher erläutern und über  daraus folgenden Prozesse der Nachkriegsjustiz referieren. Diese Veranstaltung ersetzt das Jour Fix im November.

 

Niemals vergessen! Ehemaliger Aspangbahnhof

Freitag 9. November

Beginn 18:00

Platz der Opfer der Deportation/Leon Zelman Park ,(bei Ecke A.-Blamauerg./Aspangstr.), 1030 Wien

 

In den Jahren 1939 – 1942 wurden vom ehemaligen Aspangbahnhof
zehntausende Menschen  in Vernichtungslagertransportiert und kehrten nicht mehr zurück“ Eine Veranstaltung der Initiative Aspangbahnhof

 

 

Liederholung

Freitag 23. November

Beginn 19.00

Werkl im Goethehof

 

Wer die Ballade von Kerbert H. noch nicht kennt bzw. unbedingt noch einmal hören möchte, wie auch die weiteren Gstanzln rund um aktuelle und nicht so aktuelle Ereignisse in Österreich und der Welt, der kommt an diesen Abend in den Goethehof

rudi burda, texte, gitarre, gesang
antonis vounelakos, gitarre
hans schön, bass
alexandar petkov, perkussion