Woody Guthrie (1912-1967) lässt grüßen

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woody 3Sein 50. Todestag gibt Anlass zur Reflexion folgender Fragen:

 

Was für ein Mensch war er?

Was für Zeiten haben ihn zu mehreren Tausend Liedern gedrängt?

Woher bezog er seine Inspiration?

Wie ging er mit Quellen um?

Wie gehen wir mit ihm als Quelle um?

 

Das klingt jetzt wahrscheinlich akademischer, als ihm selber recht gewesen wäre.

Demokratische Liedkultur war für ihn eine Sache des Engagements für die Interessen der kleinen Leute in den USA der 1930er und 40er-Jahre. Zusammen mit Zeitgenossen (z. B. Pete Seeger und Huddie Ledbetter) tingelte er von Gewerkschaftsversammlung zu Protestdemonstration, von Streik-Meeting zu antifaschistischer Kundgebung – rastlos und immer provokant: In New York inszenierte er sich als einfach gestrickter Hillbilly und Country-Sänger, in den Weiten des amerikanischen Mid West gab er den großstädtischen Bohemien. Als er vor seinem Tod mehr als zehn Jahre im Krankenhaus verbrachte (Diagnose: Huntington), hatte ihn der sogenannte Zeitgeist längst in die Vergessenheit verdammt. Erst die Protagonisten des Folklore-Revivals ab Mitte der 1960er ernannten ihn zu ihrer Ikone – etwas glattgebügelt und in radiotaugliche Formate flachgepresst.

 

Es ist Zeit, den ganzen Woody Guthrie zu würdigen, mit all seinen Kanten und seiner Starrköpfigkeit, seinen Geschichten und seiner beispiellosen Schaffensfreude. Die unten angeführte Veranstaltung (andere werden noch folgen und extra angekündigt) soll diesem Zweck dienen. Ab Anfang Dezember ist eine Serie von szenischen Collagen und Hootenannies geplant (Zeiten und Orte noch nicht fixiert).

 

Mittwoch, 15. November — Werkl im Goethehof — Drei Griff und die Wohrheit

Woodys Lieder mit teilweise ins Wienerische übersetzten Texten und eigenwilligen Interpretationen.

 

Wien 22,

Schüttaustraße 1

 

Beginn: 19 Uhr

Mitwirkende:        Rudi Burda

Albert Dlabaja

Alexandar Petkov

Hans Schön

Iris Stern

Günter Pini

Antonis Vounelakos

 

 

 

Hadersdorf am Kamp – ermordete Widerstandskämpfer haben endlich Namen!

Antifaschist_innen montieren würdige Gedenktafeln!

Gestern montierten Antifaschist_innen am Friedhof in Hadersdorf am Kamp zwei Gedenktafeln mit den Namen der von den Nationalsozialisten brutal ermordeten Widerstandskämpfer. Seit Jahren kämpften Christine P., 77jährige Tochter eines der ermordeten Opfer, und ihre Familie um eine würdige Gedenkstätte für ihren Vater und die weiteren 60 politischen Opfer. Diese wurden von einer SS-Einheit am 7. April 1945, einen Tag nach ihrer Entlassung aus der Haftanstalt Stein, umgebracht. Trotz jahrelanger Bemühungen des KZ-Verbandes Wien und Niederösterreich sowie des Vereins „Gedenkstätte Hadersdorf am Kamp“ weigerte sich die Gemeinde selbst, dieses Anliegen zu unterstützen.

 

Zahlreiche Bemühungen und zuletzt Versuche der Volksanwaltschaft, die Gemeinde Hadersdorf zu gemeinsamem Vorgehen zu bewegen, wurden von der Bürgermeisterin ignoriert und jedes Gespräch verweigert. Es bestand leider kein Interesse an einer würdigen Lösung zur Umgestaltung der Gedenkstätte.

Auf den neuerlichen Versuch in Form eines offenen Briefes im Mai dieses Jahres wurde von der Gemeinde Hadersdorf nicht reagiert. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner selbst regte Gespräche mit der Gemeinde Hadersdorf an, wie sie schriftlich mitteilte.

In dem offenen Brief wurde die Gemeindevertretung informiert, dass bis Ende Juni die neuen Tafeln im Friedhof angebracht werden. Das ist gestern am Samstag, dem 1. Juli 2017, umgesetzt worden. Leider ohne offizielle Unterstützung.

Christine P. sagte abschließend dazu: „Nach all den Jahren den Namen meines Vaters endlich am Ort des Massakers lesen zu können und ihn nicht mehr als Sträfling, sondern als Widerstandskämpfer in der Öffentlichkeit benannt zu sehen, ist berührend. Vielen Dank für die Solidarität an alle Freund_innen und Unterstützer_innen der letzten Jahre.“

KZ Verband/VdA Niederösterreich KZ Verband/VdA Wien
Kontakt: 0650 2350285

In Hadersdorf nichts Neues!

Seit Jahren ziehen sich die Verhandlungen mit der Gemeinde Hadersdorf am Kamp hin und sind auch in diesem Jahr wieder als „ergebnislos“ zu betrachten.

Die Verantwortlichen der Gemeinde meinen, dass es sich mit einer Gedenktafel, die 2009 angebracht wurde, erledigt hat. Dem ist nicht so. Diese Gedenktafel wird seit ihrer Anbringung sowohl von Angehörigen der Ermordeten als auch von den Opferverbänden kritisiert. Es geht nämlich aus ihr überhaupt nicht hervor, dass es sich bei den namentlich bekannten Ermordeten um Opfer der NS-Diktatur bzw. widerständige Gegner handelte.

Bereits seit Anbringung dieser kleinen Tafel in einer Ecke des Hadersdorfer Friedhofs wird diese von AktivistInnen jährlich ergänzt, um der Ermordeten würdig zu gedenken. Auf der Tafel heißt es ursprünglich:Hadersdorf

„Am 7. April 1945 ermordete an diesem Ort eine SS-Einheit 61 Gefangene. Aus der Haftanstalt Stein entlassen, waren sie auf dem Weg nach Wien. Niemals vergessen! Nie wieder“

Um das Grauen dieses Massakers in seiner wahren Bedeutung darzustellen, müsste der Text lauten:

„Am 7. April 1945 ermordete an diesem Ort eine SS-Einheit 61 politische Gefangene. Aus der Haftanstalt Stein entlassen, waren sie auf dem Weg nach Wien. Niemals vergessen! Nie wieder Faschismus

Die Gemeinde Hadersdorf, allen voran Bürgermeisterin Liselotte Golda, sind zu keiner vernünftigen Lösung bereit. Eine neue Tafel, auf der auch die Namen der Ermordeten angeführt sind, wurde vom KZ-Verband/VdA Niederösterreich angeboten, finanziert und hergestellt und könnte jederzeit angebracht werden. Eine Intervention der zukünftigen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner blieb ergebnislos, seit 2017 stehen die AktivistInnen nun in Kontakt mit der Volksanwaltschaft, diese hat bisher keine Antwort auf ihre Anfragen erhalten, das Büro der Bürgermeisterin bzw. Frau Golda persönlich reagiert einfach nicht auf die Kontaktaufnahme durch die Volksanwaltschaft.

Am 2. April 2017 fand nun die alljährliche Gedenkveranstaltung in Hadersdorf am Kamp statt. Trotz Einladung des KZ-Verbandes Niederösterreich nahm auch diesmal kein Vertreter oder Vertreterin der Gemeinde teil. Die Gedenktafeln wurden mittlerweile bereitgestellt und in diesem Jahr in den Friedhof getragen, um im Anschluss wieder mitgenommen zu werden. Die VertreterInnen des KZ-Verbandes/VdA Niederösterreich und Wien waren in diesem Jahr noch um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Hier geht es vorrangig darum, den Opfern ihre Namen und ihre Geschichte zurückzugeben und den Angehörigen einen würdigen Ort des Gedenkens. Dieses Verbrechen muss Mahnung für zukünftige Generationen sein, die Sinnlosigkeit dieses Massakers steht im Vordergrund.

Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen an die Täter, das wurde bereits in einem Prozess – kurz nach Kriegsende – behandelt.

Wir hoffen, dass sich die Gemeinde Hadersdorf am Kamp endlich gesprächsbereit zeigt und wir 2018 – ähnlich wie seit einigen Jahren in Krems – unter Mitwirkung der Gemeindevertretung Hadersdorf am Kamp der Ermordeten würdig gedenken werden.

 

 

 

Schändung des Andenkens der in der Mauthausener Gaskammer ermordeten KZ-Häftlinge

Nach Hasspostings im Internet: Prozess in Wels. Im Prozess identifiziert sich der Verteidiger mit dem Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft will Anklage erheben. Der Weisungsrat des Justizministeriums „ersucht“ die Staats­anwaltschaft, das Verfahren einzustellen!

Protesterklärung des KZ-Verbands:

Der KZ-Verband reagiert mit Fassungslosigkeit und Empörung auf den eben erst wieder erbrachten Beweis, dass es in Öster­reich trotz einschlägiger Gesetze möglich ist, die im KZ Maut­hausen begangenen Verbrechen straflos zu leugnen. Wenige Tage vor der Befreiung, am 28. April 1945, wurden in der Gas­kammer des KZ Mauthausen noch 42 österreichische Anti­fa­schisten ermordet. Die obersten Organe der österreichischen Justiz finden, dass ein Verteidiger, der diese Morde in der „so genannten Gaskammer“ als „strittig“ bezeichnet, halt ein biss­chen „übers Ziel hinausgeschossen“ hat.
Im Namen der Angehörigen dieser Ermordeten protestieren wir aufs Schärfste gegen die Tolerierung dieser Lügenhetze in österreichischen Gerichtssälen.
Es ist noch kein ganzes Jahr her, dass sich das Justizministe­rium vom Minister abwärts betroffen darüber zeigte, dass eine junge Grazer Staatsanwältin ein Strafverfahren gegen einen rechtsextremen Artikelschreiber eingestellt hatte, der befreite Mauthausen-Häftlinge als „Landplage“ beschimpft hatte. Als Konsequenz verfügte Justizminister Brandstetter, dass junge Staatsanwälte künftig besser geschult werden sollen.
Schon damals wiesen die Opferverbände darauf hin, dass der eigentliche Skandal darin besteht, dass die übergeordneten Organe die Einstellung des Strafverfahrens billigten und der Rechtsschutzbeauftragte (!) des Justizministeriums sich der Meinung des Artikelschreibers ausdrücklich anschloss.
Auch der neueste Skandal wurde von einer Einrichtung des Justizministeriums – dem so genannten Weisungsrat – ver­ursacht: Die Staatsanwaltschaft Wels leitete gegen jenen Rechtsanwalt, der Gaskammer und Krematorium im KZ Maut­hausen in Frage stellte, ein Verfahren gemäß NS-Verbotsgesetz ein und hat dieses nun auf Empfehlung des Weisungsrates eingestellt.
Diesmal ist es nicht möglich, die Weigerung der Justiz, gegen die rechtsextremen Hetzer die Gesetze anzuwenden, an eine unerfahrene Staatsanwältin zu delegieren: Die abenteuerliche Begründung des Weisungsrats kam vom Generalprokurator der Republik Österreich. Welche Konsequenz wird Justizminister Brandstetter diesmal ziehen?

Zusätzliche Informationen:
Die Gaskammer von Mauthausen und § 3g des Verbotsgesetzes

Zum Massensterben im Mittelmeer

Der KZ-Verband als Organisation der Überlebenden der NS-Diktatur und als Bewahrer des An­denkens an die Ermordeten und an jene, die von diesem Regime in die Flucht getrieben wor­den waren, ist empört über die jüngsten Reaktionen der EU-Institutionen und der öster­rei­chischen Bundesregierung.

Seit den Flüchtlingstragödien im Mittelmeer vor zwei Jahren war allen Verantwortlichen klar, dass es nur dann möglich ist, weitere Tausende vor dem Ertrinken zu retten, wenn die poli­ti­schen, finanziellen, technischen und organisatorischen Möglichkeiten der Union genützt wer­den, um Rettungsprogramme für Schiffbrüchige wie das italienische „Mare Nostrum“ auszu­bauen und effizienter zu gestalten. Stattdessen wurde – auch auf Druck aus Österreich! – das italienische Rettungsprogramm eingestellt. Sich jetzt vor den Toten zu verbeugen und so zu tun, als könne das Massensterben dadurch beendet werden, dass den Schleppern der Kampf angesagt wird, ist scheinheilig. Damit wird auch die Mitschuld der europäischen Regierungen – darunter der österreichischen – an dieser humanitären Katastrophe ausgeblendet. Diese Ka­tastrophe ist wesentlich verursacht durch die Einwanderungspolitik der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Die repressiven Einwanderungsbestimmungen der EU wurden von allen Regierungen mitverhandelt und mitbeschlossen. Wir verlangen von der österreichischen Bun­des­regierung, sich zu dieser Verantwortung zu bekennen und daraus die Konsequenz zu zie­hen, innerhalb der EU-Institutionen eindeutig Stellung zu beziehen gegen alle Versuche, Eu­ropa weiter abzuschotten.

70 Jahre nach der Befreiung Österreichs von Rassenwahn, Unterdrückung und Verfolgung ha­ben wir die Verpflichtung, allen Menschen zu helfen und ein würdiges Leben zu ermöglichen! Als Sofortmaßnahme fordern wir eine umfassende Hilfe für Italien zur Rettung aller Boots­flüchtlinge und ihren uneingeschränkten Zugang in die Europäische Union. Als nächster Schritt müssen legale Möglichkeiten zur Flucht in die EU geschaffen werden.

KZ-Verband Wien, 21. April 2015

 

Gedenktafeln in Wien

Zahlreiche Gedenktafeln in Wien erinnern an Personen, die dem Faschismus zum Opfer fielen. Als Auftraggeber dieser Gedenkstätten fungieren, neben dem KZ-Verband, KZ-Lagergemeinschaften, politische Parteien, Bezirksvertretungen u.ä.Gruppierungen.

Im Frühjahr 2014 wurden Mahn- und Gedenktafeln in Wien fotografiert. Die folgende Übersicht erfasst alle jene Tafeln, die entweder vom KZ-Verband oder einer Lagergemeinschaft angebracht wurden. Sie sind alphabetisch geordnet nach den Personen, derer gedacht wird.

Als Quelle für die Informationen diente „Gedenken und Mahnen in Wien 1934-1945“, Hrsg. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien 1998.

Alberstetter Karl | Foto & Information
Biedermann Karl | Foto & Information
Burger Ernst | Information
Deutsch Arnold | Foto & Information
Friemel Rudolf | Foto & Information
Führer Ludwig | Foto & Information
Grünbaum Fritz | Foto & Information
Hedrich Fritz | Foto & Information
Hodac Karl | Foto & Information
Huth Alfred | Foto & Information
Kalis Franz | Foto & Information
Kaspar Franz | Foto & Information
Klahr Alfred | Foto & Information
Kohn Robert | Foto & Information
Konopicky Anton | Foto & Information
Konopicky Therese | Foto & Information
Krivanek Karl | Foto & Information
Mastny Fritz | Foto & Information
Nirschl Johann | Foto & Information
Raschke Rudolf | Foto & Information
Schopf Walter | Foto & Information
Sebek Franz | Foto & Information
Sebesta Johann | Foto & Information
Sokopp Johann | Foto & Information
Stelzel Franz | Foto & Information
Vesely Ludwig | Foto & Information
Wehofschitz Otto | Foto & Information

Mahnmal für namentlich nicht differenzierte Personengruppen

Morzinplatz | Foto & Information

„Umschreiben“ der Geschichte des Zweiten Weltkrieges im siebzigsten Jahr der Befreiung

Das „Umschreiben“ der Geschichte des Zweiten Weltkrieges nimmt in einigen Staaten der Europäischen Union Formen an, die den Organisationen der Überlebenden und der Angehörigen der Opfer nicht gleichgültig sein können. Vor wenigen Tagen hat die Fédération Internationale des Résistants (FIR) an die polnische Regierung in einem Offenen Brief appelliert, die Nicht-Einladung des russischen Staatspräsidenten zur internationalen Gedenkverstanstaltung anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ und Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen zu überdenken. Doch die polnische Entscheidung fügt sich ein in eine Reihe bedenklicher Entwicklungen sowohl innerhalb der EU als auch in Ländern, deren Regierungen von der EU unterstützt werden. Die Leitung des Wiener KZ-Verbands hat im Mitglieder-Rundbrief vom Jänner 2015 dazu Stellung genommen:

Deutsche Regierung schweigt zu grotesker Geschichtsverdrehung von Jazenjuk im deutschen Fernsehen
Eine ganz spezielle Form von Geschichtsunterricht erteilte der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am 7. Jänner in einem Fernsehinterview anlässlich seines Besuchs bei Bundeskanzlerin Merkel. Die Vertreibung der Deutschen Wehrmacht aus der UdSSR, einschließlich der Ukraine, und die Rettung der letzten Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager durch die Rote Armee sei keine Befreiung, sondern ein Akt russischer Aggression gewesen: „Wir“, meinte Jazenjuk, „können uns alle sehr gut an den sowjetischen Einmarsch in die Ukraine und nach Deutschland erinnern“. Etwas Ähnliches, deutete er an, müssen man auch in der Gegenwart „vermeiden“.
Tatsächlich „marschierte“ die Rote Armee in das nationalsozialistische „Reichskommissariat Ukraine“ ein, in dem ukrainischen Faschisten sich bei der Ermordung der jüdischen (und in der Westukraine auch polnischen) Bevölkerung besonders hervortaten. Ungewollt stellte der ukrainische Ministerpräsident damit auch all jene bloß, die die Sorge vor dem Einfluss rechtsextremer Kräfte auf die Politik der gegenwärtigen ukrainischen Regierung als „russische Propaganda“ abtun.

„Totalitarismusgedenktag“ statt Holocaustgedenktag
2009 hat das EU-Parlament beschlossen, an die Stelle des Holocaustgedenktages am 27. Jänner einen für alle EU-Länder verbindlichen „Gedenktag für die Opfer totalitärer und autoritärer Regime“ am 23. August einzuführen. Steht der 27. Jänner für die Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27.1.1945, so soll der 23. August an die Unterzeichnung des so genannten „Hitler-Stalin-Pakts“ durch die Außenminister Deutschlands und der Sowjetunion am 23.8.1939 erinnern, der geheime Abmachungen über dritte Staaten, darunter die baltischen Republiken und Polen, enthielt. Damit soll die Verantwortung für die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges zu gleichen Teilen auf Hitlerdeutschland und die UdSSR aufgeteilt werden — gerade so, als hätte es das so genannte „Münchner Abkommen“ nicht einmal ein Jahr zuvor nicht gegeben, in dem sich England und Frankreich mit Hitlerdeutschland darauf einigten, die mit ihnen verbündete Tschechoslowakei zu zerstückeln.
Trotz starken politischen Drucks ist der „Totalitarismusgedenktag“ weitgehend unbeachtet geblieben. Nun hat aber Polen die aktuellen Auseinandersetzungen der EU mit Russland als Möglichkeit begriffen, die Erinnerung an den überragenden Anteil der sowjetischen Armee an der Befreiung Europas 1944/45 langfristig auszulöschen. Die erste Gelegenheit hierzu bietet die Gedenkfeier in Auschwitz am 27.1.2015:

70 Jahre Befreiung von Auschwitz: Polnische Regierung lädt statt des russischen den deutschen Präsidenten zum Festakt
Der russische Präsident wurde zu den Feierlichkeiten anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers nicht eingeladen. Die internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) verlangt in einem Offenen Brief, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken: „Die polnische Regierung mag ja politische Differenzen zur heutigen Politik Russlands haben, aber es ist eine Missachtung nicht nur der militärischen Befreiungsleistung der sowjetischen Streitkräfte, sondern aller Menschen, die sich in den Reihen der Anti-Hitler-Koalition für die Befreiung ihres jeweiligen Landes eingesetzt haben, wenn aus kurzsichtigem politischem Kalkül historische Wahrheiten geleugnet oder verfälscht werden.“ Für besonders schockierend hält die FIR die Tatsache, dass derjenige Staat, „der sich selber in der Rechtsnachfolge des verbrecherischen Regimes des deutschen Faschismus sieht, nämlich die Bundesrepublik Deutschland, mit ihrem höchsten Repräsentanten zu diesem Festakt eingeladen ist.“

Polizeigewalt gegen Antifa-Demo: KZ-Verband fordert Aufklärung und Abberufung der Verantwortlichen

Am Samstag, dem 17. Mai 2014, lieferte die Wiener Polizei neuerlich den Beweis, dass sie beim Schutz rechter bis rechtsextremer Kundgebungen von Anfang an gewaltsam vorgeht und bei Gewalttätigkeiten von Gegendemonstranten nicht versucht, zu de-eskalieren, sondern diese benützt, um hinterher die eigene Gewalt zu rechtfertigen. Dass sich das Gerücht, eine der misshandelten Demonstrantinnen habe eine Fehlgeburt erlitten, als unrichtig erwies, ist für die Polizei der Beweis, dass alle in Fotos, Videos und zahlreichen Zeugenaussagen dokumentierten Übergriffe haltlose Beschuldigungen seien. Auch diesmal versuchte die Polizei, die Berichterstattung zu beeinflussen und JournalistInnen daran zu hindern, das Vorgehen der Exekutive aus der Nähe zu beobachten.
Der KZ-Verband Wien fordert eine unabhängige Untersuchung und die Abberufung der Verantwortlichen, die schon für die Eskalation der Gewalt bei der Kundgebung gegen den „Akademiker“-Ball im Jänner 2014 verantwortlich waren.

An diesem Samstag hatte eine neue rechtsextreme Gruppierung ihren Auftritt in Wien: Die „Identitären“. Das Besondere an dieser Gruppierung erklärte der Experte für Weltverschwörungstheorien und neue rechte Bewegungen Roman Schweidlenka, Sektenbeauftragter des Landes Steiermark, in einem Gespräch mit der Tageszeitung „Der Standard„: Die Rechtsradikalen seien heute nicht mehr unbedingt an Glatze und Uniformen erkennbar, „Aktionsformen und Outfit klauen sie sich von den Linken, das ist nicht neu, das gab es schon in der NS-Zeit, als Nazis linke Arbeiterrituale übernahmen und ihre Ideologie hineinstopften. Heute gibt es Rechtsextreme mit langen Haaren und Palästinenserschal auch, das machen die ganz bewusst so.“
Die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl („Offensive gegen Rechts“) hat vor kurzem gemeinsam mit Kathrin Glösel und Julian Bruns das Buch „Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa“ herausgebracht. Bei der Buchpräsentation am 7. Mai an der Grazer Universität haben sich, wie sie auf ihrer Web-Site berichtete, rund ein Dutzend „Identitäre“ gewaltsam Zutritt zum Veranstaltungsraum verschafft. Die herbeigerufene Polizei sei sehr freundlich gewesen und habe die Störaktion ernst genommen, ebenso der Verfassungsschutz. Auf diese Weise war es möglich, die „Identitären“ aus dem Saal zu befördern bzw. in einen neuen umzuziehen, wo die Veranstaltung schließlich mit eineinhalb Stunden Verspätung beginnen konnte. In Wien hingegen, sagte sie in einem „Standard„-Interview, fühle sie sich „nicht so ernst genommen.“ Hier wurde ihre Küchenfensterscheibe mit einem Luftdruckgewehr beschossen, die „Identitären“ machten sich auf ihrer Web-Site darüber lustig, dass die Polizei keine Patronen fand.

In Wien wurde am 17. Mai die Kundgebung von rund 100 „Identitären“ durch ein Großaufgebot von rund 500 Polizisten vor den 400 TeilnehmerInnen einer Gegendemonstration beschützt, die von der „Offensive gegen Rechts“ angemeldet war. Die Übergriffe von Demonstranten (darunter Steinwürfe) gegen die Polizisten, die sich zu einem späteren Zeitpunkt ereigneten, sind zu verurteilen, machen aber die in einer Fülle von Augenzeugenberichten belegten Polizeibrutalitäten gegen die TeilnehmerInnen an der antifaschistischen Gegendemonstration nicht ungeschehen. Außerdem fragt man sich, warum die mit gewaltiger Übermacht ausgerückte Polizei diese Gewalttaten einzelner Demonstranten (gegen die die Polizisten durch ihre Schilde gut geschützt waren) zwar filmen konnte, aber nicht in der Lage war, sie zu verhindern. Der Verdacht, dass hier (nicht zum ersten Mal!) durch den Einsatz von Provokateuren versucht wurde, die Öffentlichkeit zu desinformieren und die friedlichen TeilnehmerInnen zu kriminalisieren, steht im Raum, zumal seitens der Polizei das gewaltlose Hinsetzen auf eine Straße („Sitzblockade“) mit dem Einsatz von Steinschleudern und Pflastersteinen auf eine Stufe gestellt wurde.
Zur Desinformationspolitik der Polizei gehört auch die Behauptung, ein Geschäftslokal, in dem ein gringfügiger Schaden verursacht wurde, sei „verwüstet“ worden. In einer TV-Konfrontation zwei Tage später von einer Journalistin darauf angesprochen, wie eine „Verwüstung“ aussehe, deren Schaden nicht mehr als 200 Euro betrage, verweigerte Oberst Johann Golob, Pressechef der Bundespolizeidirektion Wien, die Antwort. Da Polizeibeamten sich in der Regel gesetzwidrig weigern, die Dienstnummer bekannt zu geben, verlangten die Grünen, das Tragen der Nummer auf der Uniform, das in zahlreichen Staaten üblich ist, auch in Österreich einzuführen. Innenministerin Mikl-Leitner erklärte darauf, sie sei nicht bereit, die Polizei mit „Nummerntafeln“ zu kennzeichnen, die es ermöglichen würden, dass „einzelne Beamte und Beamtinnen vernadert werden“. Dass die FPÖ-Gewerkschaft AUF forderte, statt der Polizisten Demonstranten zu kennzeichnen, ist wohl ein verspäteter schlechter Faschingsscherz. Der – von der Polizeigewerkschaft umgehend abgelehnte – Vorschlag von Mikl-Leitner, Polizisten bei derartigen Einsätzen mit automatisch filmenden Videokameras auszurüsten, um die Dokumentation zu objektivieren, erscheint hingegen diskutierenswert.

Am Mittwoch, 28. Mai, wird der KZ-Verband Wien im Rahmen seines monatlichen Treffens die verschiedenen Aktionsformen des Antifaschismus heute sowie den Umgang mit Polizeigewalt und Kriminalisierung von öffentlichem Protest diskutieren. (18.00 bis 19.30 Uhr, Lassallestr. 40/2/2/6)

LINKS:

Bilder

Stellungnahme der Offensive gegen Rechts

Stellungnahme der Sozialsprecherin der Grünen, Birgit Hebein

Stellungnahme der Wahlplattform Europa Anders

Stellungnahme der Kommunistischen Gewerkschaftsinitiative

Erlebnisbericht eines Mitglieds der Sozialistischen Jugend Wien-Hernals

Bericht der Österreich-Ausgabe des kanadisch-britischen Polit-Magazins „Vice“

Bericht der Wiener Tageszeitung „Der Standard“ vom 19.5.2014 („Über hundert Anzeigen und Kritik am Vorgehen der Polizei: Grüner Albert Steinhauser fordert Kennzeichnungspflicht für Beamte, bekannter Rechtsextremist Reinthaler Seite an Seite mit Identitären„)

Lettland: Verherrlichung der SS-Tradition

FIR

Schreiben des Generalsekretärs der FIR, Dr. Ulrich Schneider, an die

lettische Botschafterin Elita Kuzma in Berlin.

Berlin, 12.03.2014

Verehrte Frau Botschafterin,
seit mehreren Jahren protestieren wir, die Dachorganisation ehemaliger Kämpfer der Anti-Hitler-Koalition, Widerstandskämpfer und Partisanen, Verfolgter des Naziregimes und ihre Hinterbliebenen sowie heutiger Antifaschisten aus 25 Ländern Europas und Israels gemeinsam mit antifaschistischen Kräften aus verschiedenen Ländern gegen den Aufmarsch ehemaliger SS-Angehöriger und junger Verherrlicher der SS-Tradition am 16. März eines jeden Jahres in Riga.
Es ist für uns unvorstellbar, dass ein Land, das einen Platz in der Gemeinschaft der europäischen Völker beansprucht, solchen Organisationen erlaubt, öffentlich für die Rehabilitierung dieser verbrecherischen Traditionen einzutreten. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen – ein Verbrechen gegen die Menschheit, wie der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg 1945 feststellte. Ebenfalls haben wir keinerlei Verständnis dafür, dass solche Verbrecher, die für tausende Tote auch an der Zivilbevölkerung Verantwortung tragen, als „Kämpfer für die Freiheit Lettlands“ tituliert werden.
Und es ist für uns noch unvorstellbarer, dass in einer Stadt, die als europäische Kulturstadt 2014 ausgewählt worden ist, solch ein Naziaufmarsch geduldet wird, jedoch diejenigen, die gegen solch verhängnisvolle Traditionen protestieren wollen, von den Sicherheitskräften als „Verleumder Lettlands“ oder als „Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ denunziert werden.
Auch in diesem Jahr wird die FIR ihr Recht auf öffentlichen Widerspruch gegen SS-Rehabilitation in Riga wahrnehmen. Neben Antifaschisten aus den skandinavischen Ländern und Deutschland wird auch unser Präsident an diesen Protesten teilnehmen. Wir erwarten von den lettischen Autoritäten, dass sie gewährleisten, dass dieser Protest ohne Einschränkung ermöglicht wird.

 

 

Gemeindebau nach Josef Baldrmann benannt

Aufgrund eines einstimmigen Vorschlags der Bezirksvertretung Wien-Brigittenau wurde der Gemeindebau in der Pasettistraße 9-21 „Josef-Baldermann-Hof“ benannt. An der feierlichen Namensgebung am 17. September 2013 beteiligte sich auch der Wiener KZ-Verband, der dort ein Informationsblatt zu Josef Baldrmann verteilte.

Die Redner auf der gut besuchten Veranstaltung waren Wohnbaustadtrat Michael Ludwig namens der Gemeinde Wien, Bezirksvorsteher Hannes Derfler namens des 20. Bezirks, Hannes Schwantner namens der Arbeitsgemeinschaft der Opferverbände und Kurt Cizek namens der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer/innen Wien-Brigittenau, der auch auf den politischen Lebensweg von Josef Baldrmann einging. Im Anschluss daran verlas der Schauspieler und Regisseur Peter Lodynski Passagen aus dem Urteil des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs, den letzten Brief Baldrmanns sowie das Hinrichtungsprotokoll vom 2. März 1943. Josef Baldrmann jun. dankte abschließend für die Ehrung seine Vaters.

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Veranstaltung im Josef-Baldrmann- Hof am 17. Sept. 2013: Es sang der Erste Wiener Gemeindebauchor

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Kurt Cizek, Obmann der Sozialdemokrati- schen Freiheits- kämpfer/innen im 20. Bezirk

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Josef Baldrmann jun., Sohn des Hingerichteten

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Stadtrat Ludwig und Bezirksvor- steher Derfler ent- hüllten die Tafel, links Josef Baldr- mann jun.

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Transparent des Wiener KZ-Verbands vor dem Josef-Baldrmann-Hof

(Die Namensschreibung „Baldermann“ findet sich auf einer Karteikarte der Gestapo und auf einem vor-ausgefüllten Briefpapier des KZ Groß-Rosen. Die korrekte Namensform, die auch in allen Gerichtsdokumenten verwendet wird, ist Baldrmann.)