Hilde Fein (23.10.1929 – 21.4.2014)

Am 21. April 2014 starb Hilde Fein, Schriftführerin der KZ-Vereinigung Buchenwald, Verband ehemaliger politischer Schutzhäftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald, Vorstandsmitglied des Restituta-Forums und langjährige antifaschistische Aktivistin im Rahmen des KZ-Verbands und des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes. Hilde Fein war Witwe von Erich Fein, 1957-1983 Bundessekretärs des KZ-Verbands.

Aus der Ansprache des Wiener Landesobmanns Friedl Garscha bei der Verabschiedung in der Feuerhalle des Wiener Zentralfriedhofs (am 30. April 2014):
Hilde hat die Arbeit ihres Mannes aus nächster Nähe miterlebt, sie wusste daher bei­spiels­weise um die unmittelbar nach seiner Wahl zum Bundessekretär einset­zenden Be­mühungen von Erich Fein, ein Dokumentationsarchiv der Widerstands­be­wegung (so die ur­sprüng­liche Bezeichnung des DÖW) zu gründen. Es war ihr daher ein großes Anliegen, diesen Anteil Erich Feins an der Gründung des Archivs zu dokumentieren, als sie merkte, dass das Wissen um diese historische Tatsache verloren zu gehen drohte. Dass sie im Do­kumentationsarchiv hierfür Unterstützung beim viel zu früh ver­storbenen Bibliothekar Herbert Exenberger und bei Heinz Arn­berger fand, hat eine tiefe Freundschaft zu den beiden begrün­det.
Besonders intensiv befasste sich Hilde mit dem letzten, unvoll­endet gebliebenen Plan von Erich, ein Buch über die österreichi­schen Häftlinge im KZ Buchenwald herauszu­brin­gen. Nach seinem Tod im Mai 1983 konnte sie Karl Flanner, auch ein ehemaliger „Bu­chen­walder“, dafür gewinnen, die Fertigstellung zu überneh­men, sodass 1987 das Buch „Rot-weiß-rot in Buchenwald“ erscheinen konnte.
Die österreichische KZ-Vereinigung Buchenwald wählte Hilde in den Vorstand der Lager­ge­meinschaft, viele Jahre hindurch übte sie die Funktion der Schriftführerin aus, doch auch in anderen Bereichen war sie bestrebt, Erichs Arbeit fortzusetzen und ihren, wie sie es nann­te, „Bei­trag gegen das Vergessen“ zu leisten.
Eine ganz besondere Rolle spielte sie bei den Bemühungen, die Leistungen der ka­tholi­schen Ordensschwester Helene Kafka, der Schwester Restituta, in Ös­terreich bekannt zu machen. Auch hier führte sie eines der wichtigsten Anliegen Erich Feins weiter. Sie wur­de – wiederum gemeinsam mit den beiden DÖW-Kollegen – engagiertes Mitglied des Res­ti­tuta-Fo­rums, das sich für die Selig­sprechung der Ordensschwester ein­setzte. Restitutas Orden, die Hart­mannschwestern, vergaß nicht, dass Erich Fein es gewesen war, der, als jahrzehntelanger Sekretär des KZ-Verban­des, die jährliche Allerseelen-Messe im Hin­rich­tungsraum des Lan­desge­richts Wien veranlasst und dazu auch die Hartmannschwes­tern ein­­geladen hatte, damit sie ihrer dort hingerichteten Mit­schwes­ter Restituta ge­denken konnten.
Die ganze Rede finden Sie hier: Hilde-Fein-Verabschiedung

Hilde Fein bei der Enthüllung der Käthe-Leichter-Gedenktafel am Haus Ebendorferstr.7 am 22. Mai 2006

Hilde Fein bei der Enthüllung der Käthe-Leichter-Gedenktafel am Haus Wien I., Ebendorferstr. 7, am 22. Mai 2006

Ernst Nedwed verstorben

Am 24. November starb Ernst Nedwed im Alter von 84 Jahren. Der sozialdemokratische Bildungspolitiker Nedwed war seit 2007 Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer/innen, Opfer des Faschismus und aktiver Antifaschist/inn/en und vertrat diese Organisation auch in der Arbeitsgemeinschaft der NS-Opfer-Verbände. Nach dem Tod von Friedl Krenn (KZ-Verband) ging auf ihn die Funktion des Koordinators der Arbeitsgemeinschaft über. Weiterlesen

Moritz Nagler (25.4.1916 – 21.10.2013)

Im 98. Lebensjahr verstarb in Wien Obermedizinalrat Dr. Moritz Nagler. Nagler war es nach der nationalsozialistischen Machtübernahme gelungen, nach Rumänien zu flüchten. Nachdem sich Rumänien im Zuge der Teilnahme rumänischer Truppen am deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juli 1941 das 1940 zwangsweise an die UdSSR abgetretene Bessarabien (heute Moldawien) „zurückgeholt“ hatte, verübten rumänische und deutsche Einheiten – teilweise mit Unterstützung der einheimischen ukrainischen Bevölkerung – in den Sommer- und Herbstmonaten 1941 entsetzliche Massaker an der jüdischen Bevölkerung in Bessarabien, Transnistrien (dem Gebiet zwischen Dnjestr und südlichem Bug) und Odessa. Jenseits des Dnjestr richteten die rumänischen Behörden in den von den abziehenden sowjetischen Truppen evakuierten Siedlungen Lager ein, in die Jüdinnen und Juden aus Bessarabien und der ebenfalls annektierten Bukowina sowie jüdischer Flüchtlinge, die zunächst in Rumänien Zuflucht gefunden hatten, abgeschoben wurden – großteils unter Bedingungen, die den Betroffenen als „Todesmärsche“ in Erinnerung blieben. Tausende Menschen verhungerten oder erfroren in den Lagern oder gingen an Seuchen zugrunde. Moritz Nagler und seine Frau Friederike wurden am 28. Oktober 1941 nach Transnistrien deportiert und bis zu ihrer Befreiung durch sowjetische Truppen am 15. März 1944 im Dorf Tibulovca (ukrainisch Topolivka, zwischen Vinnycja/Winnitza und Umanj gelegen) interniert. Gemeinsam mit anderen Überlebenden gründeten die beiden in Bukarest eine „Vereinigung der nach Transnistrien verschickt gewesenen Personen“, konnten aber im Juni 1946 nach Wien zurückkehren. Hier schlossen sie sich dem „Aktionskomitee der wegen ihrer Abstammung Verfolgten“ im KZ-Verband an.

Bestätigung des rumänischen Vereins der Transnistrien-Deportierten für Moritz und Friedrike Nagler

Bestätigung des rumänischen Vereins der Transnistrien-Deportierten für Moritz und Friedrike Nagler

Moritz Nagler nahm sein Medizinstudium, das er 1938, als 22-jähriger, abzubrechen gezwungen war, wieder auf, wurde Facharzt für Innere Medizin und war zuletzt Primararzt am Krankenhaus Klosterneuburg. Auch als Mitglied der Sozialdemokratischen Ärztevereinigung blieb er dem KZ-Verband verbunden.

Franz Danimann (30.7.1919 – Juni 2013)

Wenige Wochen vor seinem 94. Geburtstag verstarb Franz Danimann, Gründungsmitglied des KZ-Verbands und Ehrenmitglied des Bunds Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen sowie der Ehrenvorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz. Danimann wurde am 11. Juni auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.

Danimanns erfolgreichstes Buch

Danimanns erfolgreichstes Buch

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, dessen Kuratorium Kamerad Danimann jahrzehntelang angehört hatte, veröffentlichte auf seiner Web-Site einen Nachruf auf den ehemaligen Auschwitz-Häftling, der insbesondere nach seiner Pensionierung als Zeitzeuge und Volksbildner aktiv gewesen war.

Rella Steiner (28.4.1923 – 16.7.2013)

Am 16. Juli 2013 starb in Wien im Alter von 90 Jahren unser Mitglied Rella Steiner.

Rella Steiner wurde als Tochter von Abraham und Gitta Adlersberg – beide stammten ursprünglich aus der Gegend von Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk, Ukraine) – am 28. April 1923 in Wien geboren. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft musste die Gymnasiastin im Jänner 1939 mit einem Kindertransport nach England flüchten.

Rella Steiner (2007)

Rella Steiner (2007)

Ihre Mutter, die im Sommer desselben Jahres ebenfalls nach England gelangen konnte, starb bald nach der Ankunft. Ihr Vater konnte sich nach Shanghai retten und kehrte nach der Befreiung 1945 nach Wien zurück.

Im englischen Exil lernte Rella Adlersberg ihren späteren Ehemann Herbert Steiner kennen, der 1938 aus Wien geflohen war – seine Eltern sollten später im Zuge der Shoah von den Nationalsozialisten ermordet werden. Herbert Steiner (1923 – 2001), der ab Ende der 1950er Jahre im KZ-Verband Dokumente zu Widerstand und Verfolgung sammelte, wurde 1963 zum Mitbegründer und ersten wissenschaftlichen Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.

Ella Kampel (4.10.1922 – 1.4.2013)

Am 1. April starb im 91. Lebensjahr Angela (Ella) Kampel, geb. Bieder. Schon als Siebenjährige bei den Roten Falken aktiv, war 1937 – als noch nicht 15-Jährige – dem illegalen Kommunistischen Jugendverband beigetreten, mit dem sie bereits vorher, wie sie später sagte, „verbandelt“ war: Beeindruckt vom Auftritt des bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff beim Leipziger Reichstragsbrand-Prozess, hatte sie sich einer Gruppe junger Pioniere (wie die kommunistische Kinderorganisation genannt wurde) mit der Bezeichnung „Stoßtrupp Dimitroff“ angeschlossen.

Ella arbeitete in der Werkzeugfabrik „Blau“ in der Hellwagstraße im 20. Bezirk, wo auch die 1943 hingerichteten Widerstandkämpfer Josef Baldrmann und Walter Schopf aktiv waren; sie beteiligte sich an der Verbreitung von Flugblättern im Betrieb. Sie wurde 1942 verhaftet. Am 14.10.1943 stand sie, mit anderen FunktionärInnen des KJV, vor dem Volksgerichtshof, der fünf Angeklagte zum Tode, einen zu zehn und eine (Angela Bieder, damals schon verheiratete Kampel) zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilte. Den Großteil ihrer Strafe saß sie (ab Dezember 1943), im Kloster Jauer/Jawor bei Breslau ab, das in ein Zuchthaus umgewandelt worden war. Später kam auch eine enge Freundin von ihr, Anni Aschenbrenner, deren Todesurteil gnadenhalber in eine achtjährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden war, nach. Gemeinsam mit der dritten Österreicherin in Jauer, Hansi Polak, die zehn Tage vor ihr zum Tode verurteilt und, wie Aschenbrenner, zu acht Jahren Zuchthaus begnadigt worden war, flüchtete Ella Kampel Ende 1944, während des Evakuierungstransports, und kehrten in das Kloster Jauer zurück, wo die kranken Häftlinge zurückgelassen worden waren. Im Jänner 1945 wurde Jauer/Jawor von der Roten Armee befreit. Da eine Rückkehr nach Österreich noch nicht möglich war, schloss sich Ella Kampel einer Einheit der Roten Armee an. In einem Interview mit Charlotte Rombach erzählte sie: „Wir […] fuhren mit ihnen durch Deutschland, u.a. nach Dresden, das damals schon total zerbombt war. Dort habe ich […] einen Aufruf zur Kapitulation an die deutschen Soldaten, die im Südosten (Bulgarien) noch

Ella Kampel (Foto: Charlotte Rombach)

Ella Kampel (Foto: Charlotte Rombach)

versprengt waren, auf der Schreibmaschien geschrieben. Am 9. Mai haben wir mit den Rotarmisten den Sieg über die Faschisten gefeiert. Wir hatten Glück, diese Abteilung ist im Juni 1945 nach Wien versetzt worden.“ („Widerstand und Befreiung 1934-1945“, 4. Aufl., Wien 2011)

Angela Kampel war es ein großes Anliegen, dazu beizutragen, dass ihre hingerichteten Arbeitskollegen Schopf und Baldrmann nicht vergessen werden, an die im 20. Bezirk (u.a. im Gerlhof) Gedenktafeln erinnern. Die Umbenennung des Gemeindebaues, in dem sie bis zu ihrem Tod gelebt hatte, in „Josef-Baldermann-Hof“ hat sie nicht mehr erlebt.

Gemeindebau nach Josef Baldrmann benannt

Aufgrund eines einstimmigen Vorschlags der Bezirksvertretung Wien-Brigittenau wurde der Gemeindebau in der Pasettistraße 9-21 „Josef-Baldermann-Hof“ benannt. An der feierlichen Namensgebung am 17. September 2013 beteiligte sich auch der Wiener KZ-Verband, der dort ein Informationsblatt zu Josef Baldrmann verteilte.

Die Redner auf der gut besuchten Veranstaltung waren Wohnbaustadtrat Michael Ludwig namens der Gemeinde Wien, Bezirksvorsteher Hannes Derfler namens des 20. Bezirks, Hannes Schwantner namens der Arbeitsgemeinschaft der Opferverbände und Kurt Cizek namens der Sozialdemokratischen Freiheitskämpfer/innen Wien-Brigittenau, der auch auf den politischen Lebensweg von Josef Baldrmann einging. Im Anschluss daran verlas der Schauspieler und Regisseur Peter Lodynski Passagen aus dem Urteil des nationalsozialistischen Volksgerichtshofs, den letzten Brief Baldrmanns sowie das Hinrichtungsprotokoll vom 2. März 1943. Josef Baldrmann jun. dankte abschließend für die Ehrung seine Vaters.

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Veranstaltung im Josef-Baldrmann- Hof am 17. Sept. 2013: Es sang der Erste Wiener Gemeindebauchor

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Kurt Cizek, Obmann der Sozialdemokrati- schen Freiheits- kämpfer/innen im 20. Bezirk

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Josef Baldrmann jun., Sohn des Hingerichteten

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Stadtrat Ludwig und Bezirksvor- steher Derfler ent- hüllten die Tafel, links Josef Baldr- mann jun.

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Transparent des Wiener KZ-Verbands vor dem Josef-Baldrmann-Hof

(Die Namensschreibung „Baldermann“ findet sich auf einer Karteikarte der Gestapo und auf einem vor-ausgefüllten Briefpapier des KZ Groß-Rosen. Die korrekte Namensform, die auch in allen Gerichtsdokumenten verwendet wird, ist Baldrmann.)

„Hätte in England 1938 das heutige österreichische Flüchtlingsrecht gegolten, hätte ich nicht überlebt!“

Der Landesverband Wien österreichischer AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus (KZ-Verband/VdA Wien) drückt sein Entsetzen über die Abschiebung von pakistanischen Asylwerbern aus der von der katholischen Kirche zur Verfügung gestellten Unterkunft im Wiener Servitenkloster aus und protestiert gegen diesen weiteren Schritt zur faktischen Abschaffung des Asylrechts durch österreichische Gerichte und Behörden. Weiterlesen